Zusammenfassung
Gliederung
- 00:00 Einführung in Nächstenliebe und Nachbarschaft
- 00:43 Die Herausforderung der Empathie in der Nachbarschaft
- 04:29 Empathie und ihre Bedeutung im Alltag
- 07:49 Die Rolle der Empathie in Konflikten
- 10:36 Die goldene Regel
- 13:07 Behandelt andere Menschen genauso, wie ihr…
- 22:09 Sozialer Zusammenhalt in der Nachbarschaft
„Empathie ist eine ‚Superkraft‘ – auch und gerade, wenn es Missverständnisse geben könnte“

„Sich in Andere hineinversetzen, ist der Weg zur Empathie…“

Peter Bartmann lebt in Berlin. Dort hat er lange in der Diakonie gearbeitet. Da geht es praktisch um gute Nachbarschaft und Nächstenliebe. Er fragt sich: Was sind unsere Gründe und Motive, an einer guten Nachbarschaft zu bauen? Wieviel Nähe, wieviel Distanz sind notwendig? Wie kommen wir mit Menschen in unserer Nähe klar, die uns fremd sind?
Website: https//peterbartmann.de
Stephanie Schwenkenbecher lebt in einem Dorf in der Nähe von Greifswald. Sie arbeitet als freie Lektorin mit Menschen, die schreiben und sprechen. Sie interessiert sich für die Geschichten, die Menschen bewegen – und die sie erzählen. Für die evangelische Kirche in Norddeutschland bildet sie Lektoren und Lektorinnen aus und arbeitet im Pop-Institut mit.
- Website: https://lektorat-schwenkenbecher.de
Transkript und Referenzen:
Peter (00:01)
Herzlich willkommen zu NAHBAR, dem Podcast über Nächstenliebe und Nachbarschaft. Schön, dass du heute dabei bist. Wir freuen uns sehr, dass du eingeschaltet hast.
Stephanie (00:10)
Hallo auch von mir. Wir sind Peter und Stefanie und wir wollen dich mitnehmen auf eine Reise durch die großen und kleinen Fragen des Zusammenlebens. Deswegen heißt unser Podcast NABAR, weil wir glauben, dass wir uns eigentlich alle nach Nähe sehen und Nachbarschaft etwas wichtiges ist für unser aller Leben. Entsprechend haben wir auch Lust mit dir ins Gespräch darüber zu kommen.
Peter (00:36)
Vielleicht denkst du jetzt Nächstenliebe, Nachbarschaft, das klingt ein bisschen altmodisch. Aber für mich ist das Thema aktueller denn je. Gerade in einer Zeit, in der viele Leute das Gefühl haben, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. Da wollen wir fragen, wie können wir einander begegnen? Wie können wir Brücken bauen, auch wenn wir unterschiedlich sind?
Stephanie (00:59)
Genau. Und wir wollen über große gesellschaftliche Themen sprechen, weil wir glauben, dass die alle damit zusammenhängen. Also nicht nur abstrakt, sondern anhand unserer kleinen Dinge, die uns im Alltag begegnen. Über das, was uns im Bus, am Gartenzaun, im Supermarkt oder auf dem Sportplatz begegnet. Denn oft sind es die kleinen Begegnungen des Alltags, die unsere Haltung prägen.
Peter (01:22)
Wir laden dich ein, uns nachzudenken, zu diskutieren und neue Perspektiven zu entdecken. Alle zwei Wochen gibt es eine neue Folge überall, wo es Podcasts gibt. Und wir freuen uns, wenn du uns abonnierst und mit uns ins Gespräch kommst.
Stephanie (01:40)
Jetzt verraten wir euch auch noch, wer wir sind. Ich bin Stephanie Schwenkenbecher. Ich habe mal Theologie studiert und arbeite als Lektorin. Dabei habe ich viele Bücher begleitet, bevor sie veröffentlicht wurden, viele Texte gelesen von anderen Autoren. Manchmal schreibe ich auch selber. Ich bin neugierig auf die Geschichten und Erfahrungen anderer Menschen.
Peter (02:02)
Und ich bin Peter, lebe in Berlin, habe Philosophie und Theologie studiert und lange bei der Diakonie gearbeitet. Da geht es ganz praktisch Nächstenliebe und Nachbarschaft und die Frage, wie wir es, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen.
Stephanie (02:19)
Wir haben uns übrigens bei der Arbeit an einem Buch kennengelernt. Peter hat nämlich ein Buch geschrieben über Nächstenliebe und hat mich gebeten, dieses Buch zu lektorieren, bevor es dann veröffentlicht wird in seinem Verlag. Und dabei sind wir auch gelegentlich ins Gespräch und in die Diskussion gekommen und fanden, dass das ein wahnsinnig aktuelles Thema ist und wir gerne noch weiter übers Zusammenleben nachdenken würden. Und daraus ist die Idee für diesen Podcast entstanden.
Peter (02:48)
Das Buch ist im Herder Verlag erschienen und du findest in den Show Notes einen Hinweis, wie du es erfinden kannst. Aber hier geht es ja ums Hören und Sprechen und alle 14 Tage lassen wir am Donnerstag von uns hören. Wir sprechen über Nachbarschaften, über Nähe und Distanz, über Nachbarschaftshilfe und Streit unter Nachbarn. Wir teilen unsere Erfahrungen und Gedanken mit euch und freuen uns, wenn ihr reagiert, kommentiert, Ideen einbringt.
Das geht ganz einfach per E-Mail an die Adresse podcast.etnaba.net. Podcast.etnaba.net. Und wir sind sehr gespannt auf eure Sicht der Dinge.
Stephanie (03:29)
Unser anderes Thema ist, wie schon gesagt, die Nächstenliebe. Wir sind Beides Theologen und uns interessiert, was dazu in der Bibel steht und wollen mit euch da auch eine kleine Zeitreise machen in dieses inzwischen ja sehr alte, aber eben auch sehr prägende Wort. Wir hören uns an, was Menschen heute dazu sagen und denken.
Und wir schauen uns an, was Menschen tun, damit Zusammenleben gelingt. Wir sind eben wie gesagt beide in der christlichen Tradition verwurzelt, interessieren uns aber auch sehr für andere Traditionen. ihr werdet dann auch mal hören, wir sind nicht immer einer Meinung, wenn es Nächstenliebe geht. Genau das finden wir auch spannend.
Peter (04:15)
Wie können wir am besten zusammenleben? Das fragen wir uns. Wer ist wir? Wer gehört dazu? Wo endet unsere Bereitschaft, auf andere zuzugehen? Und was heißt überhaupt Liebe deinen Nächsten wie dich selbst? Geht das? Und was heißt es praktisch? Wir fragen uns und suchen Antworten. Die saugen wir uns nicht aus den Fingern, sondern lesen und recherchieren und führen Interviews. Zu jeder Folge gibt es Show Notes, wo ihr nachlesen könnt, aus welchen Quellen wir schöpfen.
Im Gespräch selbst zitieren wir nicht ständig, wir gelesen haben. Aber ihr könnt nachsehen, nachlesen und euch selbst ein Bild machen.
Stephanie (04:54)
Bevor wir jetzt in das Thema Nachbarschaft einsteigen, hört ihr Töne. Und zwar hat sie uns Jan Simovic eingespielt. Das ist Pianist und Songwriter. Diese Töne werden uns begleiten auf unserer Reise mit Narber, Nächstenliebe und Nachbarschaft.
Sag mal Peter, bist du eigentlich ein guter Nachbar?
Peter (05:28)
Naja, ich denke schon. Ich nehme zum Beispiel Pakete für meine Nachbarn an oder verleihe mein Werkzeug. Ich habe eine ganz lange Leiter, die sich die Nachbarn immer bei mir ausleihen.
Stephanie (05:39)
das heißt die Nachbarn wissen schon, dass du eine lange Leiter hast?
Peter (05:43)
Ganz klar.
Stephanie (05:45)
Dann lass uns doch mal drüber reden, was es überhaupt bedeutet, ein guter Nachbar zu sein. Was bedeutet gute Nachbarschaft?
Peter (05:52)
Bist du denn eine gute Nachbarin, Stefanie? Und was bedeutet das für dich?
Stephanie (05:57)
Ja, bin ich eine gute Nachbarin? Das ist eine Frage. Vielleicht müsste man da eigentlich meine Nachbarn fragen und nicht mich. Also ich finde, wir haben eine gute Nachbarschaft bei uns im Haus. Ich wohne mit meiner Familie auf dem Dorf in der Nähe von Greifswald, also ganz an der Ostseeküste könnt ihr euch das vorstellen. Und bei uns im Haus leben noch zwei andere Parteien. Und ja, also ich finde so das, was so das
Nachbarliche angeht, das machen wir gut zusammen. Wir grüßen uns, wenn wir uns sehen und unterhalten uns auch mal kurz, wie es uns geht und lassen uns weiträumig in Ruhe. Das finde ich doch tatsächlich mit einem sehr wichtigen Faktor, dass wir das gut können. Wir hängen uns nicht in die Sachen der anderen rein. da gibt es bei uns im Haus gibt es eine Hausordnung, wo sich jeder irgendwie drum kümmert. Das klappt im Durchschnitt total gut, finde ich.
Und das Gute daran finde ich, dass das niemand total eng sieht. Also wenn es mal einer nicht macht, dann macht es halt nächste Woche ein anderer. Und man geht dann nicht jedes Mal dem anderen hinterher mit dem Zettel und wo wir unsere Namen eintragen und sagt dann hier, du musst aber noch und vorher mache ich nicht, sondern es gibt eine große Weite. Und ich würde immer sagen, im Durchschnitt ist es bei uns sauber. Und das finde ich das völlig Ausreichende, dass es allen gut geht.
und die das so machen, wie es gut ist für sie. Ja, also wir haben so eine Balance aus Nähe und Distanz und es gibt nicht so ein großes Zu-viel. Ich habe auch manchmal schon versucht unsere Nachbarinnen zum Feiern einzuladen. Also wenn wir Freunde hatten, bei uns vor dem Haus gibt es eine riesige Wiese, da kann man total schön sitzen und feiern. Und das hat aber noch nicht geklappt, dass sie da mal dazu gekommen sind. Da hatten sie doch, hatte ich das Gefühl, ein größeres Ruhebedürfnis.
als sich da jetzt auch noch von unserem Freundeskreis behelligen zu lassen. Aber dafür gibt es dann immer mal so Gelegenheiten, wo wir so auf der Treppe vorm Haus zusammensitzen und in den Nachmittag hineinschnacken und das wird auch manchmal richtig lang. Also das finde ich total schön, dass das so beides möglich ist, sich mal nett und auch intensiv auszutauschen, aber das nicht zu müssen. Ja, ist schön.
Peter (08:26)
Ich habe das Wort Hausordnung gehört, Stefanie. Die gibt es bei Euch?
Stephanie (08:32)
Also ich bin eben nicht so ganz sicher. sind mehr so ungeschriebene Gesetze. Und eins davon ist, dass wir Rasen mähen. Und eins davon ist, dass wir den Flur bei uns wischen. Und auch in irgendeiner Weise die ganzen Fußabträter, die da sind, mal vom Dreck befreien. Ich bin gar nicht sicher, ob das eigentlich zum Mietvertrag dazu gehörte. Aber es hängt jedenfalls ein Zettel aus, da muss man sich dann eintragen.
dass man das gemacht hat. Und der ist eben, wie gesagt, der bleibt auch lückenhaft, aber bis jetzt sind alle damit entspannt. Ja, und dann gibt es aber eben so Sachen, wo es auch schön ist, wenn man sich da auch drum kümmert, was dann gar nicht im Programm steht sozusagen, also dass man bei uns den Weg zum Beispiel mal fegt oder die Treppe vor dem Haus.
oder das Laub mal zur Seite macht. Das sind so Sachen, sind gar nicht geregelt. Dafür finde ich es schön, dass wir so entspannt sind, weil man dann eben auch sagen kann, naja, dann kümmere ich mich halt mal darum. Jemand bringt die Mülltonnen immer raus. Ich vergesse das immer. Ich immer gar nicht so richtig, die Termine eigentlich sind, aber jemand fährt sie raus und dafür schaffen wir es dann aber oft, wenn sie leer sind, wieder zurück zu rollen. Also auch das ist eigentlich sehr…
finde das sehr entspannt, total schön. Und bei euch?
Peter (09:59)
Mir ist jetzt zuerst eingefallen, meine Zeit in Stuttgart. Und da gibt es ja die legendäre Kehrwoche. Und da muss man sich zwar nicht eintragen, aber es ist so, dass wenn du dran bist, vor deiner Wohnungstür ein Schild hängt, da drauf steht kleine Kehrwoche. Die Reihe ist an ihn.
Stephanie (10:07)
Okay.
Mhm.
Peter (10:23)
Da wissen dann alle, du bist dran. Und es gibt natürlich auch die große Kehrwoche, da muss man dann die Straße auch fägen. Jetzt wohne ich in Berlin und da guckt überhaupt niemand danach. Ich finde saubere Straßen haben etwas für sich.
Stephanie (10:38)
Hahaha,
ja.
Peter (10:42)
Und liebe Hörerinnen und Hörer, habt das ja sicher mitbekommen, in Berlin ist es sehr lässig und oft auch sehr schmutzig und da meckert man drüber. Aber schicker ist, wenn man tatsächlich auch anpackt und das in seiner Nachbarschaft tatsächlich auch regelt.
Stephanie (10:58)
Es ist ja wirklich interessant, wie berühmt Berlin inzwischen dafür ist, dass es so dreckig ist, wo man sich auch fragt. Ich meine, es gibt ja auch so Straßenkehrdienste und so. Also es muss ja gar nicht mehr unbedingt sein, dass es an der Hausordnung hängt. Aber das doch interessant, oder? Wie kommt man denn zu so einem Ruf als Hauptstadt?
Peter (11:18)
Naja, ich glaube so die Lässigkeit, die gehört irgendwie zu Berlin. Nichts so richtig vereinbaren, alles mal laufen lassen. Und ich könnte mir vorstellen, dass das sich irgendwann auch mal ändert. Man sagt, nee, wir wollen es eigentlich anders. Wir wollen es auch auf den Bürger steigen und in den Parks wollen wir es schöner haben. Kann ich mir gut vorstellen.
Stephanie (11:44)
Ja und die Münchner lachen sich kaputt über euch, ganz ehrlich.
Peter (11:48)
Das schmerzt uns jetzt nicht so schrecklich.
Stephanie (11:51)
Dafür sind wir Hauptstadt. Du bist aber gar nicht in einem Mietshaus, ne?
Peter (11:59)
Ich wohne in einer ganz dicht gepackten Siedlung, wo es ganz viele kleine schmale Reihenhäuschen gibt und drum herum auch vierstöckige Häuser mit Mietwohnungen. Alles dicht auf dicht. Und ich glaube, viele würden sagen, dass wir eine nette Nachbarschaft haben. Aber jeder ist auch sehr für sich.
Stephanie (12:11)
Mhm.
Mhm.
Peter (12:20)
Gerade wenn man so nah beieinander wohnt, braucht man ja auch etwas Abstand von den Nachbarn.
Aber meine Frage ist natürlich, achtet man in der Nachbarschaft auch aufeinander? Bekommt man mit, wenn es jemandem nicht gut geht? Oder hilft man, wenn es nötig ist? Wie ist das bei euch?
Stephanie (12:40)
Also ich habe das noch nicht so ausgetestet. Jetzt bei uns im Haus würde ich da würde ich davon ausgehen, dass mir die Leute auch helfen würden und im Zweifel auch mal die Tür aufmachen. Ich habe manchmal bisschen das Thema, was mache ich, wenn meine Kinder alleine zu Hause sind?
Und das gerade nicht anders organisierbar ist. Die kommen jetzt langsam aus dem Alter raus, wo man sich da groß Gedanken machen muss. Aber bei meinem Kleinen ist es schon noch so, dass ich denke, der Szenen… Und da hätte ich das gerne übersichtlich und fände ich das schön, wenn er weiß, wo kann er sich hinwenden. Und da habe ich jetzt tatsächlich mal… Weil ich wusste, okay, im Haus ist gerade niemand da in der Zeit, wo wir weg sind. Und da gibt es weiter weg eine Nachbarin.
Die kennen wir, da hatten wir auch mal eine Fahrgemeinschaft. Mit der hatte ich bestimmt ein Jahr nicht zu tun. Aber ich habe dann eben auch zu meinem Kind gesagt, guck mal hier, da drüben gegenüber, weißt du ja, da wohnt die Annemone. Wenn was ist, kannst du da drüber gehen. Da ist jemand da und die ist da bestimmt bereit dazu. Und dann war es tatsächlich so, dass wir uns zwei Monate später dann auch mal wieder getroffen haben live, Annemone und ich.
Und da dachte ich, Mensch, das erzähle ich ihr mal nochmal. Das ist ja schon irgendwie bisschen lustig, dass ich sie da vereinnahme, ohne mit ihr drüber zu sprechen. Und die sagte aber, na klar, das ist doch völlig in Ordnung. Die Kinder kennen sie und sie kennt die Kinder und natürlich würde sie sich kümmern, wenn da was ist. Und sie würde das ganz genauso machen mit ihren Kindern auch. Und das fand ich irgendwie schön, weil ich so dachte, ja so.
Und selbst die Nachbarn jetzt am Hof gegenüber, da ist so eine riesige Hofanlage mit so alten Rehtachhäusern, wunderschön. Wir hatten jetzt persönlich noch gar nicht miteinander zu tun, grüßen uns aber sehr eifrig. Und auch da hätte ich den Verdacht, dass die immer sagen würden, na melde dich doch. Er ist eher zum Beispiel Elektriker und sagt, da kannst du doch einfach Bescheid sagen, wenn du was brauchst oder wir mal was machen müssen.
Das finde ich jetzt gar nicht so selbstverständlich, weil wir ja persönlich noch gar nicht miteinander zu tun hatten. Aber man grüßt sich und signalisiert sich, wir sehen dich und sind dir wohlgesonnen und irgendwie gehört das dann anscheinend mit zum Paket.
Peter (15:13)
Ich glaube so ganz anders ist das auch in der Großstadt nicht, jedenfalls hier bei uns.
Stephanie (15:17)
Ja.
Peter (15:20)
Leute nicht in so engem Kontakt miteinander sind und sich auch nicht immer grüßen. ist in der Stadt gar nicht so, nicht so, glaube ich. Und neulich ist was passiert, dass so den Rahmen sprengt von dem, was ich erwartet hätte. Und zwar auf der anderen Straßenseite, da wohnen eine Reihe von älteren Menschen schon ganz lange.
Stephanie (15:28)
Macht man da nicht so, ne?
Ja?
Ja.
Peter (15:49)
und die sind trotzdem sehr auf Distanz und grüßen sich auch nicht so sehr. Und es gibt auch Geschichten, warum, was in der Vergangenheit mal war. Es war nicht immer nur herzlich. Und direkt gegenüber von mir wohnen ein alter Herr und eine alte Dame Tür an Tür, ganz dicht. Die haben aber eigentlich nie miteinander geredet, sind sich aus dem Weg gegangen.
Stephanie (15:57)
Ja.
Mh.
Mhm.
Peter (16:17)
Aber in einer Nacht neulich stand der Rettungswagen vor der einen Haustür und dem älteren Mann ging es offenbar nicht gut. Und da steht auf einmal seine Nachbarin mitten in der Nacht neben ihm auf der Straße neben dem Rettungswagen, bringt ihm seine Sachen und dann sehe ich, wie sie später in seinem Häuschen die Lichter ausmacht und abschließt.
Stephanie (16:24)
Mhm.
Nee.
Guck mal an.
Peter (16:46)
Ja, ich finde das auch eine tolle Sache. Die haben gar nicht miteinander gesprochen und dann in der Not war es plötzlich möglich, dass die Nachbarin da war. Ich bin auch aufgewacht und habe rausgeguckt und habe sie da gesehen. Und der alte Herr hat ihr einfach seinen Wohnungsschlüssel gegeben und sie hat ihn genommen und sich seine Wohnung gekümmert.
Stephanie (16:55)
Aha.
Mhm.
Aber das kann ich mir auch vorstellen, dass es dann manchmal so einen Anlass braucht, wo man sich dann wieder begegnet und in so einem Moment, wo man dann da sieht, der ist jetzt alleine und es ist niemand da, der sich jetzt hier kümmern kann, dass man dann auch sofort überlegt, wie wäre denn das bei mir? Und weil es so, es wäre total schön, wenn dann jemand kommen würde und sich kümmert und man dann sofort in diese Rolle reingeht und sagt…
Natürlich kümmere ich mich so, ich bin sozusagen die Nächste in dem Moment, die dann dran ist. Also das könnte ich mir auch richtig vorstellen, dass sie da so so ein innerliches Selbstverständlichkeit hatte, da zu übernehmen.
Wobei ich finde, das geht eigentlich über Nachbarschaft hinaus für mich. Das habe ich ja gerade schon in der Formulierung so bisschen angedeutet, dass sie da die nächste ist. Für mich ist das so ein Fall von Nächstenliebe. Also wo man auch vielleicht in so einem Affekt reagiert, aber so mit dem ganzen Wesen und
Ja, sich dann in die Situation rein zu begeben und zu engagieren mitten in der Nacht, weil man eben spürt, dass der andere einen braucht und man selbst in dem Fall der nächste ist, der da gefragt ist. Die nächste. Spannend, spannender Moment hier. Sehr spannend für unseren Podcast.
Peter (18:41)
Ja, Stephanie, hast gleich zwei Punkte angesprochen, auf die wir noch in unserem Podcast eingehen. Einmal die Überlegung, wie wäre das denn bei mir? Wer würde mir helfen? Und dann auch eben diesen Punkt, dass man plötzlich in der Nähe ganz unmittelbar sagt, jetzt muss ich was tun, da muss ich hin. Da bin ich aufgestanden und stehe auf der Straße.
Stephanie (19:04)
Mmh.
Peter (19:06)
Ich weiß nicht, ob die Nachbarin von gegenüber dieses Wort verwenden würde, Nächstenliebe. Sie ist, glaube ich, nicht kirchlich eine typische Berlinerin der Nachkriegszeit, jetzt in den 80ern. Rau, aber wie wir jetzt wissen, das Herz auf dem rechten Fleck.
Stephanie (19:10)
Mhh, ja.
Mmh!
Peter (19:25)
Ich würde es trotzdem Nächstenliebe nennen. Und am meisten beeindruckt mich, dass man mit seinen Nachbarn gar nicht befreundet sein muss, ihnen in einer Krise zu helfen. Das ist doch toll.
Stephanie (19:36)
Ja, und bei den beiden ja gerade im Gegenteil,
Ja, also Nächstenliebe, ich meine, ja, das ist mir schon bewusst so, dass ich das jetzt so nennen würde mit meinem christlichen Hintergrund, weil das bei uns ja einfach auch sehr, das ist ja im Grunde ein Schlagwort, was uns ausmacht als Christinnen und Christen mit das höchste Gebot und was für uns gilt, was ja auch mit der Grund ist, weshalb wir das hier der Nachbarschaft gegenüberstellen, die Nächstenliebe.
Aber es ist ein großes Wort und da weiß ich eben auch nicht. einmal kann es sein, dass es inzwischen aus der Mode gekommen ist mit dem ganzen Christentum, wie das ganze Christentum eben gerade aus der Mode kommt, dass dann eben auch dieser Begriff aus der Mode kommt. der Begriff vielleicht, aber bei der Sache glaube ich eigentlich
dass das tief verwurzelt ist und auch bleibt. Und dann frage ich mich, was ja so ein gegenteiliges Phänomen ist, was wir manchmal religionssoziologisch beobachten, dass so, wenn die Dinge so auf dem Rückzug sind und aus der Mode sind, dass dann auch wieder neu ein Interesse entsteht daran. Und da weiß ich nicht, wo die nächste Liebe gerade steht in dieser Entwicklung. Also ist sie gerade sehr out oder?
Reiten wir hier gerade die Welle voran, wo die Nächstenliebe gerade schwer in Mode kommen. Das kann ich mir sehr gut vorstellen.
Peter (21:13)
Das würde ich mir natürlich wünschen.
Stephanie (21:15)
Hahaha!
Peter (21:18)
Und wenn ich mich trauen würde, könnte ich aber der Nachbarin mal fragen, ob sie das als Nächstenliebe bezeichnen würde. Ich bin mir nicht sicher. Sie ist eine echte Berlinerin. weiß nicht, ob ich mich traue, sie das zu fragen, denn wir haben auch eigentlich nicht so viel miteinander zu tun. Grüßen tun wir uns.
Stephanie (21:34)
Ja.
Ja, das wäre vielleicht auch ein großes Wort für eine Situation, die für sie sehr selbstverständlich war.
Peter (21:45)
Und wie du sagst, eigentlich kommt es auf den Begriff nicht immer an, sondern auf das, dahinter steht, die Haltung. Und das wäre doch wunderbar, wenn diese Haltung einfach da wäre und wir auf sie bauen können.
Stephanie (21:57)
Was meinst du, wenn du sagst, dass da eine Haltung dahinter steht?
Peter (22:05)
Für mich ist das Wichtigste im Notfall helfen und wenn es nötig ist, dann auch über eine Grenze gehen. Über Sprachlosigkeit oder Fremdheit oder dass man sich eigentlich nicht so gut versteht.
Stephanie (22:19)
Also das meint quasi, auch wenn man jetzt nicht in so einer ganz großen Nähe lebt, vielleicht in so einer Halbdistanz, dass man sich zugänglich hält für den anderen. Wenn man jetzt bei unserem Podcastnamen ist, nahbar bleibt, ohne jetzt immer die Tür offen zu haben sozusagen. Ja spannend.
Peter (22:44)
Ja, das finde ich schön. Nahbar, das heißt eben für mich auch zugänglich, unkompliziert, ansprechbar und das verbinde ich mit Nächstenliebe.
Stephanie (22:53)
Und es ist nicht an die Bedingungen geknüpft, jetzt bei euch noch nicht mal an die Bedingungen geknüpft, dass man sich grüßt oder regelmäßig Smalltalk führt, sondern einfach in der Grundhaltung meinem Menschen mir gegenüber.
Peter (23:12)
und auch über Konflikte hinweggehen. Also wenn Streit war, sich eben doch zu helfen. Oder wenn man sich eigentlich nichts zu sagen hat, dann doch da zu sein.
Stephanie (23:22)
weil es im Grunde menschliches ist, einander nahbar zu sein und zu bleiben und es nicht an Bedingungen geknüpft ist. das ist aber was sehr evangelisches. Man muss sich nicht unbedingt gut verstehen und in der Not wäre ich für den anderen da. Ich lasse dich stehen, wie du bist und du könntest auf mich zählen.
Peter (23:32)
Mhm.
Stephanie (23:50)
Das würde heißen für mich, wenn wir das so sagen, dass Nachbarschaft ja eigentlich der große Testfall ist für die Nächstenliebe. Nächstenliebe ist einfach, wenn wir sowieso befreundet sind und uns nahe sind und regelmäßig Zeit miteinander verbringen. Dann tun wir einander gut. Aber in der Nachbarschaft nebeneinander zu stehen und sich auszuhalten in größerer Nähe oder Distanz
und nahbar zu bleiben für den Ernstfall. Das finde ich die Herausforderung. Und gleichzeitig glaube ich, dass es Menschen total daran gelegen ist, weil wir alle darauf angewiesen sind am Ende, dass das eben so funktioniert.
Peter (24:44)
Insofern ist Nachbarschaft der Testfall für nächste Liebe.
Stephanie (24:49)
Ja, da suche ich mir eben nicht aus, wer da auf der anderen Seite wohnt und hinter der Tür vorkommt und bei wem ich nach den Eiern frage, sondern das sind die Menschen, die eben zufällig in meiner Umgebung gelandet sind und wie die drauf sind, sind die drauf. Mein Nachbar hat immer sehr stark, der ist vor kurzem ausgezogen, der letzte Nachbar unten, der hat immer sehr das Bedürfnis, den Rasen sehr kurz zu halten.
Dabei hat er sich an unseren Vermietern orientiert. wohnen gleich auf einem Nachbarkgrundstück, sodass man das immer gut verfolgen kann, dass sie auch gerne ihren Rasen sehr kurz haben. Ich selber weiß, unser Rasen ist eigentlich kein Rasen, sondern eine Wiese, eine Magerwiese. Wenn man die länger stehen lässt, kann die eine unfassbare Blütenkraft entwickeln und eine tolle Insektenweide sein.
Das heißt, Mal, wenn ich meinen Nachbarn da unten mit dem Rasenmäher abzuckeln sehe, blutete mir das Herz, weil ich wusste, was er damit eben auch alles wegsäbelt. Und gleichzeitig muss er aushalten, dass wir vorne dann ums Haus rum eben nicht so oft gemäht haben wie er. Und es müssen auch unsere Vermieter aushalten. Wir haben uns gerade nochmal drüber ausgetauscht, dass wir das tatsächlich so handhaben. Und da bin ich auch wirklich froh.
dass sie sich darauf einlassen, gleichzeitig kann ich mich da gut reinversetzen, wie schwer das für sie auszuhalten ist, weil es andersrum für mich auch schwer auszuhalten ist.
Peter (26:20)
Ja, das ist ein gutes Stichwort. Aushalten, sich leben lassen, sich respektieren.
Stephanie (26:26)
Ja, so,
dass man tatsächlich den Respekt voreinander bewahrt. Ich meine, da ist auch ein Wut und ein Schmerz und so ein, müssen die schon wieder den Rasen mähen. Und dann aber wieder den anderen wahrzunehmen und zu sagen, ja, ist ein anderes Bedürfnis und ein anderes Sein, das sind andere Werte. Das kann ich nicht ändern, aber ich kann hoffen, dass wir einander stehen lassen können und respektieren in dieser Verschiedenheit.
Peter (26:56)
Ja, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, da habt ihr sicher auch viel beizutragen, denn das ist ja wirklich ein Thema, was jeden etwas angeht. wie gesagt, wir freuen uns, wenn ihr was einbringt in diesen Podcast über die E-Mail-Adresse podcast.naba.net.
Stephanie (27:09)
Mhm.
Ja, sag mal, Peter, gibt es denn noch ein Happy End für deine Geschichte? Wie ist die weitergegangen? Dann der Nachbar ist doch bestimmt, ist er aus dem Krankenhaus zurückgekommen?
Peter (27:27)
Ja, der alte Mann ist aus dem Krankenhaus zurückgekommen und dem geht es auch wieder ganz passabel.
Stephanie (27:32)
Schön! Und? Sprechen Sie miteinander?
Peter (27:37)
Da bin ich mal gespannt, was würdest du raten? Reden sie miteinander oder weiterhin nicht?
Stephanie (27:43)
Tja, ist… Gehen sie auf den… Nee, ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie auf den Status Quo von davor zurückgehen. Ich denke, dass sie inzwischen, sag ich mal, beim Müll rausbringen, einen kurzen Schnack halten draußen. Und?
Peter (27:58)
Genau so ist es auch. Sie sprechen
miteinander auf vorsichtiger Distanz. Zum Beispiel, wenn sie ihre Blumentöpfe vor der Haustür gießen und sich dabei zufällig treffen. Und ich habe sie auch schon abends einfach vor der Haustür zusammen stehen sehen. Ich glaube nicht, dass sie sich jetzt wechselseitig einladen, aber sie reden miteinander.
Stephanie (28:07)
Ja.
Ja?
Es
gibt noch kein Tee-Kränzchen und gibt keine Romanze.
Peter (28:28)
Aber das muss ja auch nicht sein. Es ist ja auch schön zu wissen, man hat Nachbarn, auf die man sich verlassen kann, ohne dass man sich nun ganz doll umeinander bemüht.
Stephanie (28:39)
Ja, also damit wäre geklärt, wir sind hier nicht in Hollywood. Wir sind hier beim Podcast Nächstenliebe und Nachbarschaft. Na, aber wir freuen uns sehr, wenn wir uns in 14 Tagen wieder hören. Da werden wir die nächste Folge online stellen.
Peter (28:59)
Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann abonniert unseren Podcast, der überall zu finden ist, wo es Podcasts gibt.
Stephanie (29:07)
Bis dahin, macht es gut!
Peter (29:10)
Tschüss.
NAHBAR – der Podcast über Nächstenliebe und Nachbarschaft.
Von Peter Bartmann und Stephanie Schwenkenbecher
Transkript Folge 2: Nächstenliebe – mehr als Respekt
Peter (00:12)
Noch einmal herzlich willkommen zu NAHBAR dem Podcast Nächstenliebe und Nachbarschaft. Hallo, Stephanie.
Stephanie (00:18)
Hallo Peter.
Peter (00:19)
Stephanie, in der der letzten Folge hast du gesagt, die Nachbarschaft, ist der Testfall für die Nächstenliebe. Erinnerst du dich?
Und wir hatten eine ganz konkrete Geschichte uns angeguckt, die in meiner Nachbarschaft in Berlin passiert ist. Und zwar von einer älteren Dame, die mitten in der Nacht 3 Uhr aufgestanden ist, als der Rettungswagen vor der Tür ihres Nachbarn stand. Und sie ist runtergegangen und hat ihm geholfen, in den Wagen einzusteigen, ihm Sachen gebracht und hinterher auch sein Haustür abgeschlossen.
Und das ist besonders, weil die beiden haben davor eigentlich nie miteinander geredet.
Stephanie (01:08)
Ja, total verrückt. nicht miteinander geredet und dann gleich so in die Situation einspringen und helfen. Also ich finde, ist eine großartige Geschichte. Und ich finde, du hast auch völlig recht. Das ist ein gutes Beispiel für diese Nachbarschaft als Testfall der Nächstenliebe. Für mich ist das eine Nächstenliebe-Geschichte. Eben weil wir dieses, vorher gibt es keine Freundschaft oder man ist halt Nachbar. Und sie wendet sich dem Menschen zu, der da neben ihr ist und in Not geraten ist und agiert. Das ist vielleicht nicht ihre Motivation. Für mich wäre das trotzdem genauso ein Beispiel, wo sich eben in der Nachbarschaft Nächstenliebe ereignet. Und das ist ja nun großes Wort, Nächstenliebe.
Wir haben uns für diese Folge vorgenommen, dass wir dieses Wort noch mal genauer anschauen. Und das ist insofern auch sehr naheliegend, weil Peter nämlich ein Buch über die Nächstenliebe geschrieben hat. Wir haben gemeinsam an diesem Buch auch gearbeitet. Ich bin die Lektorin gewesen und Peter ist der Autor. Das ist durchaus auch eine Leseempfehlung an dieser Stelle. Peter, wenn man ein ganzes Buch schreibt, kann man auch kurz sagen, was ist Nächstenliebe?
Peter (02:27)
Nächstenliebe ist ein Wort, das zuerst in der Bibel vorkommt. für die älteren Menschen ist das sicher auch sehr vertraut, weil das in früheren Jahrzehnten auch doch immer präsent war, Nächstenliebe, der Impuls zu helfen. Und ich weiß nicht, ich nehme an, wer ein bisschen jünger ist, der denkt vielleicht, okay, das ist ein Wort aus einer alten Welt. So ging es dir doch auch ein bisschen, Stephanie, oder?
Stephanie (02:55)
Ja, als wir schon mal darüber gesprochen haben, ist mir das zumindest so als Frage aufgekommen, dass ich dachte, Nächstenliebe, das ist ja mal sehr präsent gewesen und dass man mit Nächstenliebe handelt, das ist ja auch ein Anspruch gewesen an viele Menschen. Also gerade als das Christentum noch so sehr verbreitet war in unserer Bevölkerung und man einfach zur Kirche gehörte, dann war dieser Handlungsanspruch. auch sehr präsent und bis heute ist es glaube ich bei den Pfadfindern noch gute Sitte, dass man eine gute Tat am Tag vollbringt und das auch durchaus zählt und sich freut. Also wenn man jemanden den Einkauf getragen hat, dann macht man für sich innerlich einen Haken an der Liste und sagt, das war heute meine gute Tat. Und also ich würde sagen, das ist noch nicht völlig out, das ist immer noch auch verbreitet als Gedanke, man kennt das.
Also habe ich mich gefragt, ob das jetzt eigentlich, wo so viele Leute gar keinen Bezug mehr haben zur Kirche, ob damit das Wort Nächstenliebe jetzt eigentlich auch wirklich ganz alt und verstaubt klingt und auch aus der Mode kommt oder ob es gerade interessant ist, weil es inzwischen schon was Fremdes ist und was anderes ist, was auf einen zukommt. Vielleicht ist das in einer Welt, wo gerade so viel von Kälte und von Hass und von Konflikt gesprochen wird, ein kleines Herdfeuer ist, um das man sich eigentlich gerne versammeln würde und sich das gerne genauer anschauen würde.
Peter (04:25)
Ich glaube, mit der guten Tat hast du auf den Punkt gebracht, was ganz viele Menschen erwarten, wenn es um Nächstenliebe geht, eine konkrete, gute Tat. Und ich glaube, das ist irgendwie selbst tragend. Da braucht man vielleicht gar keine große Tradition zu, der alten Dame den Einkauf nach Hause tragen und sagen, ja, das ist schön, das ist Wirksamkeit und das strahlt aus.
Stephanie (04:53)
Menschen helfen eigentlich ganz gerne. Und das hatte dann diesen Label von der Nächstenliebe, aber ja, ich kann das schon nachvollziehen, dass man sagt, ist eine Handlung und einfach die Handlung des Helfens, die braucht jetzt noch nicht so ein großes Wort dahinter.
Peter (05:07)
Jetzt ist Nächstenliebe, wenn man in die Bibel guckt, auch nochmal mehr. Wenn man die Bibel aufschlägt und von vorne nach hinten liest, dann findet sich irgendwo in den Büchern Mose, also relativ am Anfang, findet sich an einer sehr verdeckten Stelle ein Gebot der Nächstenliebe. Da heißt es: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.
Stephanie (05:36)
Okay, und du sagst, im Alten Testament steht das gar nicht ganz prominent.
Peter (05:39)
Ja, das steht in einer Kette von ganz konkreten Handlungsanweisungen, bei denen es vor allen Dingen darum geht, dass man anderen Menschen nicht im Weg steht, sie nicht in ihrem Leben stört, sie nicht beleidigt, sie nicht kränkt. Und da geht es dann auch darum, dass man nicht Fremde ablehnt und ihnen Schwierigkeiten bereitet.
Im Kontrast dazu heißt es plötzlich mitten in diesen Regeln und Handlungsempfehlungen plötzlich: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Prominent geworden ist dieser Satz vor allen Dingen im Neuen Testament, also zweiten Teil der Bibel. Und da wird an einer Stelle gesagt, das ist eigentlich die wichtigste Sache auf der Welt. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Stephanie (06:28)
Mhm. Das Gebot hat Karriere gemacht.
Peter (06:38)
Das hat Karriere gemacht und, Stephanie, auf die biblische Geschichte und wie das gekommen ist, da müssen wir nochmal bei einer anderen Folge zurückkommen. Jetzt lass uns doch erstmal gucken, wie verstehen wir denn diesen Satz?
Stephanie (06:39)
Ja, da haben wir ja schon mal eine ganze Menge Worte, die man sich da im Einzelnen anschauen kann. Da ist jetzt schon mal als erstes die Frage, wer ist denn jetzt gemeint mit meinem Nächsten? Ist das der, mit mir in der Wohnung wohnt? Sind das meine Familienangehörigen?
Peter (07:14)
in der Bibel, sind damit gerade nicht die Menschen nur gemeint, mit denen ich verwandt oder befreundet bin, sondern es geht die Menschen, die mir in meinem Umfeld begegnen, in meinem Leben. also nicht bestimmte Personen, sondern im Grunde jeder Mensch kann das sein.
Stephanie (07:26)
Das ist auch etwas, was du dann aus den Beispielgeschichten nimmst, die es dann gibt zum Thema Nächstenliebe.
Peter (07:40)
irgendwie ist es ja selbstverständlich, dass man seine Freunde mag und auch, dass man sich mit seinen Verwandten nun verbunden fühlt. Aber da wo die Forderung der Liebe in der Bibel auftaucht, geht es um die Menschen, die einem in die Quere kommen oder die mit denen man nicht ganz gut befreundet ist.
Peter (08:05)
Und die Wahrheit ist ja natürlich auch, dass wir auch unter Verwandten und unter Freunden uns manchmal gar nicht so nahe stehen und es gar nicht selbstverständlich ist, dass wir ein gutes Verhältnis zu ihnen haben.
Stephanie (08:18)
Ja, auch da kann das Gebot helfen. ich habe schon mal intensiv Bibel lesen und lernen dürfen. Und was mir da besonders aufgefallen ist, dass es schon ganz früh so eine Art Sozialgesetzgebung gibt in der Bibel. Also dass die immer auf dem Schirm haben, es gibt
die Witwen und die Weisen und die Fremden, also Menschen, die durchs soziale Netz fallen, haben. Und die müssen mitversorgt werden. Und an die ist in ganz vielen Geboten in der Bibel gedacht. Also zum Beispiel dürfen die über die Felder gehen und das Getreide einsammeln, was bei der Ernte übrig geblieben ist. Und man soll auch gezielt ihnen was übrig lassen. Und so in dem Sinne gibt es halt eine Menge Vorschriften, die auf ihren Schutz und ihre Versorgung ausgerichtet sind. Und da hat das so was ganz Praktisches und etwas, wo man merkt, hier geht es auch darum, dass eine Gesellschaft nicht auseinanderfällt und nicht Menschen an den Rändern quasi rauskippen aus dem System. Und jetzt gibt es ja aber dieses große Wort der Liebe. Also es heißt nicht hilf deinem Nächsten oder achte auf die sozial Schwachen, sondern
Es ist von dem Nächsten die Rede. Und vom Lieben. Was bedeutet dieses Lieben?
Peter (09:37)
Ja, das ist natürlich eine unglaubliche Provokation dass man Menschen, mit denen man gar nicht persönlich verbunden ist, nun lieben soll.
Also ich kann mir nicht vorstellen, dass ich zu irgendeinem fremden Menschen nun eine ganz persönliche Beziehung mitbringe, die wir sonst im Deutschen mit dem Wort Liebe bezeichnen. Sondern ich glaube, es ist was anderes gemeint. Es geht darum, dass ich kapiere und auch innerlich annehme,
dass der Mensch, er gegenüber steht, ein Mensch ist wie ich und genauso Gefühle hat und Bedürfnisse und die Liebe, die bedeutet, dass ich das tatsächlich auch ernst nehme.
Stephanie (10:33)
Meinst du, das ist damals auch so eine Provokation gewesen für die Leute, jetzt, ich glaube das ist Jesus selber, der das als höchstes Gebot bekannt gibt? Und meinst du, die Höhenden waren da provoziert und haben sich gedacht, was soll ich denn jetzt hier, der neben mir steht, wie soll ich den lieben?
Peter (10:53)
Ich glaube, es ging darum, Menschen zu lieben und nicht zu hassen. Also diese Spannung, stand im Raum und an der allerersten Stelle, wo das Liebesgebot auftritt, also lange vor Jesus, da
ist eben von Liebe die Rede in der Mitte von ganz viel destruktivem Verhalten, was man vermeiden soll. Und das ist echt eine Riesenspannung. wenn man das im Zusammenhang liest, dann muss man an der Stelle wirklich aufmerken und sagen, was? Und so ähnlich wie du sagst, es geht nicht nur Hilfe, es geht nicht nur um ein irgendwie geartetes Miteinander, sondern da steht plötzlich das Ausrufezeichen der oder die nächste ist ein Mensch wie du und nimm ihn so wie dich.
Stephanie (11:46)
Und es ist anspruchsvoll, sobald das Wort lieben kommt, ist es anspruchsvoll. Und dann finde ich das ja fast eine Hilfe, dass du sagst, erstmal geht es vor allen Dingen darum, den anderen als Menschen anzuerkennen und anzuerkennen, dass er genauso Mensch ist wie ich.
Stephanie (12:12)
Peter, wir haben über Nächstenliebe geredet und du hast gesagt, in diesem Gebot, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, da geht es um Respekt. Ist das nicht ein bisschen zu wenig für dieses große Wort lieben?
Peter (12:29)
Nächstenliebe ist mehr als Respekt. Zur Nächstenliebe gehört auch dazu, dass man auf den anderen zugeht. Man kann nicht auf Distanz bleiben, sondern es ist wichtig, dass man in seine Nähe geht und ihm zum Beispiel in der Notsituation hilft.
Aber Respekt ist auch ein wichtiger Aspekt davon, weil im Gebot der Nächstenliebe geht es die Gleichwertigkeit aller Menschen.
Das steckt in diesem rätselhaften Liebe dein Nächsten wie dich selbst. Damit kann ja nicht gemeint sein, dass ich zu
Stephanie (13:05)
Okay, was ist daran rätselhaft?
Peter (13:10)
irgendeinem anderen Menschen ein ganz intensives, persönliches Verhältnis habe, sondern es muss darum gehen, dass ich ihn ansehe als ein Menschen wie mich selbst, ihn als gleichrangig, gleichwertig und auch gleichartig wahrnehme.
Stephanie (13:31)
du sagst, „wie dich selbst“ dieses letzte, liebe deinen Nächsten, wie dich selbst, das verstehst du, sagst du, das ist schon übertragen gemeint, das ist gar nicht so wörtlich gemeint, weil du es für nicht möglich hältst. Und deswegen sagst du, es geht gar nicht um ein intensives, enges Verhältnis des Liebens, sondern um den gegenseitigen Respekt und die Anerkennung des anderen als Menschen. Du bist ein Mensch wie ich. Die Formulierung habe ich mal von dir gehört.
Peter (14:01)
Ja, das geht auf eine Übersetzungstradition aus der jüdischen Tradition zurück. Da gibt es diese Übersetzung, liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du. Und der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat diese Übersetzung, die irgendwo versteckt war, in seiner Bibel-Übersetzung wieder rausgebracht. Und seitdem ist das ein Thema, ob man diesen zweiten Teil des Satzes anders übersetzen muss.
Und die Exegeten streiten drüber. Es ist beides grammatikalisch möglich.
Aber Stefanie, das beantwortet deine Frage natürlich noch nicht ganz, denn die Liebe, die steckt ja am Anfang drin. Und in der Tat denke ich, dass man zu einem unbekannten anderen Menschen oder einem Menschen, mit dem ich gerade nicht befreundet oder verwandt bin, jetzt kein ganz intensives persönliches Verhältnis haben kann, das wäre widersprüchlich. Sondern der wichtige Punkt ist, dass man, so fremd der andere Mensch mir auch sein mag oder auch so unbekannt, ich mich doch als Mensch in ihn hineinversetzen kann und im Grunde auch davon ausgehen kann, dass er so ähnlich ist wie ich. Und dann heißt das Gebot, liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Bitte geh immer davon aus, der andere ist wie du. Der ist ein Mensch wie du. Und bitte, nimm da Rücksicht drauf.
Stephanie (15:42)
ich nehme dies als eine große Relativierung wahr von etwas, was natürlich ein hoher Anspruch ist. Einmal selber habe ich natürlich total ernst genommen. einer ganz großen Neigung, die Dinge wirklich zu nehmen. Habe ich tatsächlich das als Maßstab für mich und meine Einstellung Menschen gegenüber, dass ich erstmal mit einem großen Vorschuss vertrauen,
anderen begegne, auch Fremden begegne, also mit diesem völligen Vertrauen auf Gott und Gottes Gebot, zu sagen, der andere, und was heißt das jetzt übersetzt, dann würde ich sagen, der andere ist Mensch, der hat Gefühle, Gedanken, Emotionen, Antriebe, existenzielle Bedürfnisse, genau wie ich, der möchte wahrscheinlich, wie ich, wohnen, möchte ein sicheres Einkommen haben, der möchte für seine Kinder sorgen können.
Und oft sind es genau diese Dinge, wenn die gefährdet sind, dass Menschen dann übergriffig werden oder Grenzen verletzen und Regeln verletzen. Also es ist oft ein existenzieller Antrieb, der einen dazu führt. Weswegen ich erstmal den Anspruch an mich habe, Menschen gegenüber sehr offen zu begegnen, ihm viel Vertrauen entgegenzubringen und sobald wir in der Nähe sind, ihn so zu behandeln, als könnte er potenziell auch ein sehr guter Freund werden. Und im Umkehrschluss hat es für mich den Anspruch, dass ich auch sehr freundlich zu mir selber bin. Also die Nachsichtigkeit, die ich anderen gegenüber aufbringen möchte, die übe ich auch mir selbst gegenüber.
Wenn ich dich über Respekt reden höre, dann kitzelt das was bei mir, dass denke, nee, ich will das nicht runterschrauben. Respekt ist mir zu wenig. Ich finde dieses Lieben wesentlich. Und ich glaube auch, dass es im Moment der Begegnung das Wort „lieben“ besser trifft. Jetzt nicht im Sinne von, sagen wir mal, Stolz und Vorurteil und man ist schwer verliebt und romantisch schwärmt so. Ich glaube, man darf das auch lieben eher so umfassen, dass man den anderen wahrnimmt und Realitäten wahrnimmt und auch ansprechen kann. Aber Respekt mir zu wenig.
Peter (18:02)
ich finde den Gedanken sehr schön, dass jemand anders, den ich nicht kenne, ein Freund sein könnte Das finde ich einen sehr, sehr schönen Gedanken. Und das geht natürlich über Respekt hinaus.
Ich bin jetzt, was Nächstenliebe angeht, von der Praxis der Diakonie geprägt. Und da ist, glaube ich, der Hauptpunkt, dass man tatsächlich mit dem Nächsten irgendwie klarkommt. Das heißt, die innere Motivation oder was das mir bedeutet, das tritt dann in den Und da liegt eine gewisse Nüchternheit drin.
Stephanie (18:19)
Mhm. Ich habe so ein paar Bezugspunkte selber zu Diakonie gehabt, ich habe in meinem Freundeskreis Menschen mit körperlicher Behinderung, die Rollstuhlfahrer, meistens spastische Lähmungen von Geburt an. Und hatte da auch, wenn wir zusammen unterwegs waren, mit Pflege und Assistenz zu tun. also in dieser Praxis würde sich das für mich nochmal verschieben hin zu, ich könnte betroffen sein. Also da würde ich das, er ist wie du, übersetzen als mir könnte es genauso gehen, wie würde ich wollen, dass man mir in der Situation begegnet
Peter (19:13)
Für mich hängt dieses Liebesgebot eng mit dem zusammen, was du gerade aufgerufen hast, nämlich der goldenen Regel. Was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen. Dass ich mich in die andere Person reinversetzen kann und dass das dann ein Gewicht hat, auch gegenüber meinen eigenen Einstellungen. Also gerade wenn du dran denkst, dass du jemanden beim Waschen unterstützen muss, dieses sich hineinversetzen, das ist der Punkt. ein anderer Punkt ist auch aus der Arbeit in der Diakonie, dass man, wenn man ich sag mal überschwänglich auf andere zugeht, natürlich auch leicht dabei ist, sie zu überfordern oder ihnen was anzubieten, was eigentlich überhaupt nicht in ihr Leben passt. Was man Paternalismus nennt, dass man denkt, ja, ist jetzt jemand, der benutzt einen Rollstuhl und ich muss den jetzt gleich irgendwo hinschieben, weil ich ganz sicher bin, dass ich weiß, wo der hin will.
Stephanie (20:11)
Gott. Also da können meine Freunde schreckliche Dinge erzählen. ja, Also bis hin zum Taschentuch, was ihnen an die Nase gedrückt wird, Schrecklich.
Peter (20:22)
Und da hilft Respekt, aber es ist zu kühl. Das ist ganz klar.
Stephanie (20:27)
Das finde ich einen guten Balance-Marker ich habe ja dafür geworben, Liebe umfänglicher zu verstehen und potenzielle Freundschaft. es prägt eher meine Haltung dem anderen gegenüber als meine Erwartung.
Peter (20:43)
Für mich ist dieser Gedanke der Gleichrangigkeit aller Menschen und dass ich mich in einen anderen ‚rein versetzen kann, der ganz anders unterwegs ist, eine Richtung, die interessant ist und auch hilfreich, zum Beispiel auch, um Konflikte zu moderieren.
Stephanie (21:01)
Absolut. Wenn einen etwas ganz langfristig beschäftigt, dass man dann sich das gönnt, dass man einmal aus der eigenen Wut und der eigenen Gekränktheit oder was auch immer einen bewegt, rauskommt und sich in die andere Person reinversetzt. Wenn man darin ein bisschen Übung drin hat, sieht man relativ schnell, ja, naja, aus ihrer Perspektive ist das völlig nachvollziehbar, dass sie reagiert, wie sie reagiert. Aber das werden wir uns, glaube ich, auch nochmal angucken. Thema Konflikte setzen wir auf die Tagesordnung.
Stephanie (21:41)
Ich meine das mit dem Lieben, als Anspruch ernst. Also nicht dass ich damit einen Anspruch auf den anderen habe und sag so wir werden jetzt Freunde, weil da steht das Gebot der Nächstenliebe sondern als Haltung, die ich selber habe: Potentiell könnten wir Freunde sein. Und so mit diesem Vertrauen, mit diesem Interesse an deiner Person, mit dieser Offenheit auch oder Ehrlichkeit begegne ich dir – und das im Wahren der eigenen Grenzen und der des anderen. Aber es prägt schon sehr meine Haltung. Also da merke ich, dass mein Christlich-Sein und auch diese Überschrift über diesem Gebot, dass das das höchste Gebot ist.
Das macht es mir tatsächlich auch sehr wichtig, mich an dem auszurichten und zu orientieren.
Peter (22:31)
ich finde es spannend, wie du sagst, okay, ich gehe auf Menschen zu und denke: Wir könnten befreundet sein, sie könnten meine Freunde sein. Das finde ich sehr sympathisch, auch so auf die Welt zu blicken und auch auf Menschen zuzugehen.
Peter (22:49)
Aber Stefanie unter Nächstenliebe verstehe ich noch etwas anderes. Ich gehe nochmal zurück in die Geschichte mit meiner alten Nachbarin auf der anderen Straßenseite. Sie ist mitten in der Nacht aufgestanden, ihrem Nachbarn, mit dem sie sich nicht verstanden hat, zu helfen. Nachher haben sie sich gut verstanden. Aber was sie bewegt hat, das war nicht Freundschaft.
Stephanie (23:15)
Ich würde ja auch auf jeden Fall sagen, dass das ein Fall von Nächstenliebe ist. Und jetzt hatten wir zu dem Vers, den wir uns heute anschauen, zum Thema Nächstenliebe, haben wir uns den Nächsten angeschaut. Wer ist gemeint? Das ist der, der sich gerade aktuell in meinem Dunstkreis bewegt, wie auch immer sich das gestaltet. Also in meinem Fall, ich habe zwei Kinder im Schulalter.
sind das auch viele Eltern, mit denen ich dann zu tun habe, weil die Kinder befreundet sind oder man gleiche Wege hat und man sich da auch irgendwie unterstützt gerne. Oder es sind natürlich die Nachbarn, die Nachbarschaft, die man hat, aber auch Menschen, denen man sonst beruflich zu tun oder in Vereinen mit Menschen zu tun.
Und jetzt hatten wir uns angeschaut, was heißt dieses Lieben. Und wo wir uns einig sind, ist, dass ist das Anerkennen, dass der andere ein Mensch ist, wie ich.
Was viele Menschen sehr anspricht heute, habe ich den Eindruck, ist dieser letzte Versteil: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist glaube ich gerade so in dieser ganzen Wellness und und Selbsterkenntnis Sparte ist man da heute glaube ich ganz gut dabei, sich mit diesem Vers zu identifizieren. Aber das schauen wir uns glaube ich nochmal extra an, was dieser Vers-Teil eigentlich bedeutet.
Peter (24:43)
Das gucken wir uns auf jeden Fall noch näher an. Also wir sind uns einig, dass Frau Zorn aufstehen, mitten in der Nacht. Das ist ein Fall von Nächstenliebe.
Und wir sind auch beide begeistert, dass Menschen so was tun einfach und dass nachbarschaftliche Beziehungen entstehen, so aus dem konkreten Sich-Helfen. Und ich glaube du sagst ja, das kann eine Haltung werden. Wenn man das weiß, kann man eigentlich von vornherein auf Menschen so zugehen, dass man mit ihnen Alltagsprobleme lösen könnte und auch einfach ein gutes Verhältnis haben könnte.
Stephanie (25:22)
Ich glaube ehrlich gesagt, dass wir Menschen als soziale Wesen geschaffen sind und genau darauf angewiesen sind. insofern ist das vielleicht auch ein soziales Gebot, dass Jesus Menschen darauf hinweist, dass sie soziale Wesen sind und eigentlich mit jedem so umgegangen werden sollte als Mensch mit Würde und Respekt. Dass anders eine Gesellschaft eigentlich nicht funktioniert, wir sind angewiesen aufeinander.
Peter (25:49)
Also es geht einfach darum, ein Mensch unter Menschen zu sein. es geht die Grundlage, dass wir uns als Menschen begegnen. Und das ist wie so ein Fundament, dem dann vieles andere aufbaut. auch ein Fundament, das ignoriert wird, was verschüttet ist, an das man wieder erinnern muss.
Stephanie (26:13)
Also worüber zumindest im Moment nicht so viel gesprochen wird wie über alles was uns trennt in der Gesellschaft. Von daher finde ich ja gut, dass wir diesen Podcast machen und uns über das unterhalten, was uns zusammenbringt. Und da finde ich übrigens auch dieses Beispiel von Frau Zorn fast ein bisschen ein Sonderfall, denn so oft im Leben hoffentlich sind wir gar nicht in der Notlage, dass wir angewiesen sind auf Hilfe.
Wenn man jetzt nicht in der Diakonie arbeitet wie du, dann kommt man gar nicht so oft in die Verlegenheit, dass man die Möglichkeit hat, anderen Menschen zu helfen. Da würde ich eher fragen, was heißt Nächstenliebe in meinem ganz normalen Alltag, wenn mir nicht gerade ein Notfall vor die Füße schlittert,
Peter (27:02)
Sehe ich auch so, dass der Alltag ganz wichtig ist. Ich finde, wenn man sich die Notfälle anguckt, dann sind das oft auch ganz große Chancen, ein Mensch zu sein und wieder menschlich zu werden und die Grundbedürfnisse anzuerkennen und wegzuschieben, was uns möglicherweise trennt. Also Notfälle sind auch Punkte, man Mensch werden kann. Und das ist eigentlich ganz wunderbar. wenn man das weiß, guckt man vielleicht auch mehr nach Situationen, die nicht zwingend ganz gravierende Notfälle seien, so dass der Rettungswagen vor der Tür steht. Man guckt nach Gelegenheiten, wo man dieses Elementare, dieses, was uns verbindet.
Stephanie (27:50)
Ja, das glaube ich auch.
Peter (27:53)
Wenn man das entdeckt und auch tatsächlich was tut. ich glaube, das Tun ist wichtig und verändert viel. Verändert auch in den Gefühlen viel.
Stephanie (28:04)
Mhm. Ich würde sagen, beim nächsten Mal tauchen wir noch mal stärker ein bei diesem Hilfethema. Braucht es eigentlich, jetzt Nächstenliebe zu üben in seinem Alltag oder wie immer man es für sich nennen mag, braucht es dafür jemanden, der das organisiert oder geht das auch einfach so?
Peter (28:26)
Ja, spannend, freue ich mich drauf. Mach’s gut, Stephanie.
Stephanie (28:29) :Tschüss!
Referenzen:
Peter Bartmann, Nächstenliebe. Das biblische Gebot – eine Inspiration für heute, Freiburg: Herder 2024. https://www.herder.de/theologie-pastoral/shop/p2/83595-naechstenliebe-gebundene-ausgabe/
Transkript Folge 3: Nachbarschaften brauchen Treffpunkte – und Leidenschaft
Ja und herzlich willkommen liebe Hörerinnen und Hörer zu unserem Podcast Nächstenliebe und Nachbarschaft. Wir wollen heute wissen, wie man eigentlich zu einer guten Nachbarschaft kommt. Wie entsteht so was? Braucht man jemanden, der das organisiert? Peter, du hast dazu hast du uns dazu was mitgebracht?
Peter (00:33)
Genau, in unserem Quartier wird nämlich gerade eine Umfrage zur Nachbarschaft gemacht, und zum Quartier. Und da lag in unserem Postkasten eine Postkarte mit einem QR-Code und da konnte man an einer Umfrage teilnehmen. die Umfrage, die hat zwei
vor allen Dingen gehabt, die mich da beschäftigt haben. Die eine Frage war, welche Orte gibt es bei Ihnen in der Nachbarschaft, an denen sich Menschen treffen? Und dann sollte man sagen, welchen von diesen Orten nutzt man dann eigentlich? Und die Umfrage wird gemacht von einer Studentin, an der Technischen Uni
Stadtplanung studiert, MIA heißt sie, und ich habe jetzt bisher einfach nur teilgenommen an der Umfrage, aber die beiden Fragen habe ich weiter beschäftigt.
Stephanie (01:33)
Mhm.
Und was hast du für dich rausgefunden? Welche Orte gibt es bei euch, wo Nachbarschaft entsteht?
Peter (01:40)
Also bei uns gibt es Sportvereine, mehrere Sportvereine nebeneinander. Es gibt mitten im Kiez eine Kirche mit einem Gemeindehaus. Es gibt auch einen Kiez-Treffpunkt, der in einem alten Friseurgeschäft läuft und wo sich Leute zusammentun und verschiedene Dinge tun.
Stephanie (01:46)
Mhm.
Mhm.
Peter (02:07)
Da kann man zum Beispiel mittwochs Eintopf essen. da gibt es verschiedene Hobbygruppen. Also bei uns gibt es schon Treffpunkte. Mir sind welche eingefallen.
Stephanie (02:13)
Mhm.
Also ihr habt auch, das sind ja ganz unterschiedliche Strukturen. Da sagst du einmal Vereine. Da haben sich also Menschen zusammengetan, die ein ähnliches Interesse haben. Und dann aber eben auch Räume. Also wenn du sagst Kirche, hat ein Gemeindehaus. Das sind ja Räume, die man potenziell nutzen kann, wenn man Lust hat, Menschen zu treffen. Und diesen Kiez-Treffpunkt. Sowas finde ich auch immer cool. das klingt für mich so bisschen unabhängig. Und wenn dann so unterschiedliche…
Leute da ihren Ort finden. Gleichzeitig sieht man da auch erstmal, was es eigentlich alles gibt und wo man sich anschließen könnte, wenn man irgendwie das Interesse dran hätte.
Peter (02:56)
Der Kiez-Treffpunkt ist relativ neu. das gab es bisher noch nicht. Wenn man dann noch bisschen näher drüber nachdenkt, sieht man, es gab auch schon vorher Treffpunkte. Zum Beispiel gibt es bei uns die Ecke auch einen Schützenverein.
Stephanie (03:01)
Mhm.
Okay.
Peter (03:13)
in der Gestaltung schon ganz in die Jahre gekommen ist. haben so ein altes Bahnhofsschild bei sich stehen. Also ich bin da noch nie reingegangen, aber es ist ganz klar, da treffen sich Leute, wahrscheinlich wöchentlich. Da kann man Schießen lernen, kann sich wahrscheinlich auch treffen, ein Bier zu trinken. es ist auf den zweiten Blick gibt es eigentlich erstaunlich viel, aber
Stephanie (03:16)
Mhm.
Peter (03:38)
Kein Treffpunkt ist, glaube ich, für alle Menschen da.
Stephanie (03:40)
Und so habt ihr ja schon eine ganze Breite an Angeboten, in eurer Umgebung
Peter (03:44)
Wie sieht es denn bei dir aus?
Stephanie (03:46)
Ja, also ich würde sagen, unsere Dorfkultur hier ist auch ganz rege dabei. Wir haben einen Sportverein, der hier auch mit anderen Dörfern zusammenarbeitet in der Umgebung, sodass es da auch einen Austausch gibt. Also unsere Fußballjungs zum Beispiel, die trainieren immer auf einem anderen Sportplatz hier auf den Dörfern. Das finde ich ganz interessant, weil das dann Nachbarschaft dann natürlich nochmal größer
fasst auch zum Nachbardorf hin und man die Kontakte pflegt. Und es gibt eine freiwillige Feuerwehr, die ist sehr rege dabei, hier unseren Jahresfestkreis mit zu bestimmen. Also das ist jetzt am Wochenende zum Beispiel werden bei uns die Weihnachtsbäume verbrannt und da gibt es dann nochmal Glühwein und Rostbratwurst. Das ist ungefähr dasselbe Programm, was auch schon im Advent lief. Da haben die einen kleinen Adventsmarkt veranstaltet.
Also das ist tatsächlich so, dass sie so über die ganzen Jahreszeiten hinweg Feste veranstalten und die Feuerwehr da auch immer mit vorne dabei ist, Feuerwehr oder Sportverein und auch die Kirchengemeinde. Also diese Gruppen sind hier vernetzt und man sieht im Grunde immer dieselben Menschen.
Aber, also zum Beispiel auch unser Pastor ist beim Adventsmarkt dabei und stimmt das Adventslieder-Singen an. Und das ist eine ganz schöne Stimmung und Atmosphäre. Und damit man davon erfährt, gibt es bei uns einmal den Schaukasten oder die Schaukästen der Gemeinde, die so in den Ortsteilen stehen.
Da sind natürlich die offiziellen Einladungen drin. Es gibt aber neben diesen Schaukästen auch ein großes schwarzes Brett. Das Lustige daran ist, dass das tatsächlich mal schwarze Bretter sind. Das sind sehr große Tafeln aus so altem Holz, was völlig verwittert ist und dann eben tatsächlich schwarzes Brett. Und da kann dann eben jeder auch seine Einladung dran heften.
da werden dann gerne mal so Interessengemeinschaften ausgeschrieben. Also, ich würde gerne Freitagabend 18 Uhr Tischtennis spielen im Dörphus. Dörphus heißt das hier, Dorfhaus auf Platt, auf Pormersch. Und dann, das ist auch eine Weile gelaufen, so wie ich das mitbekommen habe. Oder es gibt hier so eine Volleyballgruppe und die haben dann auch gesagt, Mitte April geht unsere Saison los, wir suchen noch
Mitspielerinnen und Mitspieler und im Sommer machen die dann so ein kleines Volleyball-Turnier und laden dann ein zum Bürgermeisterinnenpokal und dann sind auch die Nachbarorte dabei und der Jugendclub. Also es gibt hier schon so einige Räume, unterschiedliche Räume auch für unterschiedliche Altersgruppen, ein Seniorenkreis.
und die sind aber gleichzeitig auch immer mal wieder vernetzt und finden zusammen. Es gibt die Feste. Also das sind eigentlich ganz unterschiedliche Strukturen, die so geschaffen sind und eine gute Informationsstruktur finde ich durch diese Bretter auch und dadurch, dass das für alle offen ist, da sich auch kund zu tun.
Peter (06:59)
Das klingt eigentlich ganz rund. Fehlt hier irgendwas?
Stephanie (07:01)
Also wir sind ja jetzt gerade Familie mit zwei Schulkindern, da ist man ohnehin viel unterwegs. Aber so ein Ort, wo man damit gut zusammen unterwegs ist, den gab es bis jetzt noch nicht. Das ist mir aber erst aufgefallen, als die Kirchengemeinde eingeladen hat zu einem Spielenachmittag. Der wird jetzt diese Woche stattfinden, am Freitag.
Nachmittag, da bin ich schon sehr gespannt drauf, und die Einladung ist dezidiert an die ganze Familie. Also es gibt für Jugendliche eine riesige Tischtennisplatte, an der man sich verausgaben kann, und für die Eltern wird Elterncafé angeboten. Da gibt es so verschiedene Angebote mit, also man kann beim Pastor Gitarre lernen es gibt ein Erzählangebot, für die kleineren Kinder.
Das ist so gedacht, dass man tatsächlich als ganze Familie hinkommen kann und zusammen Spaß haben kann. als dieses Angebot da war, dachte ich, ach Mensch, guck mal, wie schön. So normalerweise bringe ich meine Kinder irgendwo hin und setze die ab und die machen da ihr’s und dann kann ich wieder kommen und sie holen. ein Familienangebot zu haben, dachte ich, das finde ich richtig cool.
Peter (08:13)
Mir fällt noch eine Sache auf bei dem Fußball. Da hast du gesagt, dass ihr mit einem anderen Dorf zusammen das organisiert. interessant, dass jetzt manchmal auch Vereine sich zusammentun, ⁓ Kinder- und Jugendmannschaften zu bilden, die früher total verfeindet waren und gegeneinander gespielt haben. Und jetzt ist das so, dass man dann plötzlich
Stephanie (08:16)
Ja.
Peter (08:41)
nicht mehr im Fußballverein seines Dorfes ist, sondern man ist irgendwie in so Art Spielgemeinschaft. Das ist ein Punkt.
Klar.
Stephanie (08:48)
Also anders
würden die dann nicht mehr überleben. Sie kriegen selber keine Mannschaft mehr zusammen. Aber wenn man sich so zusammentut, dann geht es eben doch. Und dann stellt man fest, eigentlich alle nur Fußball
Peter (09:02)
Und das heißt, dass Nachbarschaft auch weiter gefasst sein kann als jetzt gerade das Viertel oder das Dorf, dem man lebt.
Stephanie (09:11)
Ja, also das ist ja was jetzt hier, würde ich sagen, auf dem Dorf einfach mit den Strukturen, die da sind, zusammenhängt, dass wir ja längst mit mehreren Orten zusammen verwaltet werden und mit mehreren Orten zusammen existieren und dann eben auch die Feste zusammen gefeiert werden. wenn hier im Nachbarort Dietrichshagen Dorffest ist, dann sind wir da.
natürlich herzlich eingeladen und man teilt das miteinander. Also ich glaube, ist schon noch in großen Teilen tatsächlich getrennt und macht so jeder seins, aber man nimmt schon mehr wahr, würde ich sagen, was jetzt so beim Nachbarn ist und ob man nicht doch auch mal rübergeht.
Peter (10:00)
Also ich verstehe das so, dass Nachbarschaft schon Orte braucht, an denen sie stattfindet. Also nicht nur Menschen, die grundsätzlich bereit sind, aufeinander zuzugehen, sondern auch Treffpunkte. Und da steckt doch auch immer Organisation dahin.
Stephanie (10:15)
Ja, auf jeden Fall. Und dann ist aber eben schon auch die Frage, wer geht hin? Also nutzt es jemand, Also der Verein besteht nur, wenn Menschen da sind und ein Interesse teilen und Lust drauf haben, Fußball zu spielen zum Beispiel oder Volleyball und sich dann eben tatsächlich auch treffen. Wenn man nicht hingeht, findet es nicht statt, ne?
Kennst du Menschen, die solche Angebote nutzen?
Peter (10:44)
Ich habe bis vor wenigen Jahren in der Nachbarschaft eigentlich ganz wenig erlebt, weil ich beruflich immer anderswo war. Das war anders in der Zeit als unsere Kinder klein waren, aber die letzten Jahre bin ich morgens in die U-Bahn gestiegen und weggefahren und oft abends spät zurückgekommen.
Stephanie (10:53)
Hm?
Ja, da kriegt man nicht viel mit von seinen Nachbarn.
Peter (11:08)
Und der Kiez-Treff war für mich der Punkt, wo ich dachte, okay, ich kann jetzt noch nicht so viel Zeit investieren, aber ich mache da mit und bin da reingegangen. Das ist eine Genossenschaft, da bin ich Mitglied. Und das ist mir wichtig und ich nehme mir das vor, da auch mehr präsent zu sein.
Stephanie (11:15)
Mhm.
Ach, tatsächlich.
Mhm.
heißt, du kennst aber die Leute, es machen, weil du bist ja mit in der Genossenschaft. Aber du hast selber noch nicht unbedingt andere Angebote wahrgenommen.
Peter (11:37)
So ist das,
Stephanie (11:39)
Also du gehörst zu denen, die Räume zur Verfügung stellen.
Peter (11:42)
Also ich glaube, das ist für viele Leute so dieses Thema Zeit. Dass man im Grunde eigentlich auch Lust hat, auch Tischtennis zu spielen, würde ich super gerne. Und wir haben auch eine Tischtennisplatte hier im Park. Aber ich sage dann immer, ich habe keine Zeit. Da ist wahrscheinlich auch was falsch dran. Das sagt man so total leicht. Aber erst mal empfinde ich so.
Stephanie (11:48)
Mhm.
Mhm.
Ja, aber es ist natürlich der entscheidende Faktor. gerade, also wir sind berufstätig, soweit wir das sein können und eine gute Arbeit haben und wir sollen ja am liebsten auch in Vollzeit berufstätig sein und dann heißt das, man verbringt acht Stunden am Tag schon mal mindestens auf seiner Arbeit und hat oft noch die Pendelzeiten. Also wenn man dann noch Familie zu Hause hat oder Kinder von A nach B bringt,
dann ist schon die reine Zeit, die übrig bleibt, ja gar nicht so groß. Aber ich habe die Gelegenheit des Schwarzen Brettes mal genutzt und bin zu diesem Volleyball-Turnier gegangen diesen Sommer, was bei uns angeboten wurde, der Bürgermeisterinnenpokal, und habe dort schon mal das Gespräch gesucht zu den Leuten. Ich will eigentlich schon ganz lange hin zum Volleyball-Treff.
Und das hat jetzt wirklich Jahre noch nicht geklappt, während andere Dinge in meinem Leben funktionieren. Das hat noch nicht geklappt. dann habe ich aber gedacht, jetzt lernst du die Menschen wenigstens schon mal kennen und dann hast du so bisschen Gefühl dafür, wie die so sind. Und das ist eine total nette Truppe, die einfach Spaß haben am Volleyball und sich so gerne treffen, die spielen draußen und es gibt keine Halle.
sodass es eigentlich eine Winterpause gibt. Aber das zu überbrücken, machen sie im Winter Rückengymnastik. Und dann bleibt sozusagen dieser Zeitspot weiter belegt und sie sehen sich auch im Winter. das ist wirklich eine gute Motivation. Man hat einmal den Benefit davon, dass man Sport macht und sich bewegt.
Aber auch, dass man Menschen sieht, die einem guttun, die man mag. dann … Also, die, die das hauptsächlich mit organisiert ist, ist Grundschullehrerin und sehr junge Mama. Und hat also auch genug auf der Platte. Aber das ist etwas, was ihr quasi Energie gibt. Und sie selber auch motiviert und anfeuert. Und deswegen hält sie das eben auch recht.
Das hat sie ihr Baby halt mit dabei. Volleyball findet statt. im Grunde ist das, glaube ich, der Punkt, den man für sich finden muss. Bei dieser Frage, wo knüpfe ich an, ist eben schon auch die Frage, wo sind meine eigenen Leidenschaften. Ich gehe nicht zum Stricken, wenn ich nicht gerne stricke. Dann ist es schön, wenn es einen Stricktreff gibt und Menschen das nutzen. Aber …
dann ist es nicht für mich. man kann immer die Angebote angucken und sagen, das alles nicht für mich. Ja, aber was ist denn für dich und willst du da nicht vielleicht selber was anbieten? Gibt es deins? die Dinge gibt es nur, weil Menschen sie anbieten und sich da zusammengefunden haben.
Peter (14:55)
Mein Startpunkt hat damit zu tun, ich jetzt mehr Homeoffice mache. Und dann ist mir klar geworden, dass ja wahrscheinlich hier im Quartier ganz viele Homeoffice machen. Und ich will in dem Kieztreff in der Frisierkunst, so heißt die, da will ich ein Treff für Leute machen, die zu Hause arbeiten
Stephanie (15:00)
Mhm.
Mhm.
Peter (15:17)
Und mein Punkt ist dabei, dass ich eigentlich sehr gerne mit Kolleginnen und Kollegen zusammen arbeite und deshalb im Homeoffice bin ich tendenziell zu allein. Und jetzt denke ich mir, da kann man doch vielleicht was machen und da gibt es jetzt diesen Ort. Das heißt, das findet jetzt nicht hier in meinem unaufgeräumten Zimmer statt. Und mal gucken, ob das funktioniert.
Stephanie (15:32)
Mhm.
Mhm.
Ja, spannend.
Peter (15:51)
Stephanie, ich bin echt überrascht, wie viele Orte es bei euch im Dorf gibt. einen Ort habe ich vermisst, nämlich die Dorfkneipe. Gibt es die bei euch nicht mehr?
Stephanie (16:02)
Es gibt die Dorfkneipe, die Schwedenschanze. Die ist aber zu. Also die kann nicht mehr als Restaurantbetrieb hier geführt werden und ist so ein Festort. Also wenn hier Fasching ist, dann findet der in der Schwedenschanze statt. So da reicht das Dorfhus nicht aus dafür. Aber da sind wir früher mal Ausflugsort gewesen für die Greifswalder Die sind hier mit der kleinen Bahn, die es nicht mehr gibt.
aufs Dorf gefahren und sind dann hier gewandert im Wald und haben sich in der Schwedenschance ein Eis am Stiel geholt, habe ich mir erzählen lassen. Aber Eis am Stiel scheint so ein Geschäft nicht am Leben zu erhalten, langfristig. Also dieser Ort existiert nicht. Und ich habe tatsächlich auch eine Weile gebraucht, bis ich das so verstanden habe, was es hier eigentlich so an Dorfinfrastruktur gibt. Also bis man dann so den Jahreskreis verstanden hat und alle Gruppen mal eingeladen haben zu ihren
Veranstaltungen und man dann so einen Überblick hat, was es eigentlich tatsächlich so alles gibt. Das dauert eine Weile. Und dann auch das zu erwischen, finde ich, was so das eigene sein könnte. vor fünf Jahren Hätte ich noch gesagt, ja, hier ist nicht viel los.
inzwischen kann ich es bisschen besser überblicken und würde sagen, hat eine super Infrastruktur, super Grundinfrastruktur. Aber man muss das schwarze Brett schon lesen und man muss es mitkriegen und man muss es mitkriegen wollen Was bei euch wahrscheinlich ganz genauso, ne?
Peter (17:23)
Also bei uns gibt es kein schwarzes Brett mehr, das gab es eine Weile lang beim Supermarkt.
Stephanie (17:28)
Mhm.
Peter (17:28)
läuft jetzt alles immer digital.
Stephanie (17:30)
Mhm. Ach Gott.
Aber guck mal, da muss man ja schon vernetzt sein, um’s mitzubekommen, oder?
Peter (17:37)
Na gut, es gibt bei uns nebenan.de, das ist so eine Plattform. Aber das sind natürlich lange nicht alle Bewohner hier im Viertel. Aber immerhin so um die 2500 sind da drin, hier im Viertel.
Stephanie (17:40)
Mhm.
Wow! Von euch im Viertel?
Ja, das klingt doch super!
Peter (17:51)
Schon, ja. Ich glaube, du könntest damit was anfangen. Da geht es nämlich super viel ⁓ Familien mit Schulkindern und da werden Schulranzen weitergegeben und ich habe da auch neulich mal einen Sitzsack von meinem Sohn, der irgendwo liegen geblieben war, weitergegeben.
Stephanie (18:01)
Mh!
Peter (18:12)
Aber Stadt und Land, also ich hatte mir vorgestellt, dass es euch viel traditioneller zugeht. Seid ihr eigentlich ein junges Dorf? Das kommt mir so vor, das klingt alles so modern.
Stephanie (18:21)
Naja, also ich finde bei Dorf muss man schon dazu sagen, dass wir hier hart der Speckgürtel von Greifswald sind. Also und Greifswald hat eine große Universität, eine große Universitätsklinik, Also wir haben hier so ein Universitätspublikum, was es sich auch leisten kann, Häuser zu bauen. Und hier in Weitenhagen ist in den 90er Jahren so zwei große Siedlungsgebiete entstanden.
mit Einfamilienhäusern und jetzt gerade ist neu gebaut worden. da hat sich tatsächlich auch nochmal der Altersdurchschnitt krass gesenkt, weil einfach nochmal neue junge Familien mit auch sehr jungen Kindern zum Teil sich hier angesiedelt haben das merkt man schon. Also insofern ist das, glaube ich, auch nochmal was anderes als was man sich jetzt hier auf dem Pommerschen Land vorstellt. Das muss man schon sagen.
Ich würde sagen, wenn ich jetzt mit meinem Blick, den ich jetzt hier aus Weitenhagen habe, aufs Pommerche Dorf fahre, dann sehe ich da auch die Vereine und die Dorfhäuser und einen Kindergarten gibt es eben oft noch und also auch so eine Grundinfrastruktur, wo ich vermuten würde, dass es am Ende ganz ähnlich funktioniert wie bei uns auch, vielleicht ein bisschen abgespeckt.
Peter (19:32)
Was machen eigentlich die Männer? Ich frage das deshalb, weil in dem Dorf, in dem ich vor Jahren aufgewachsen bin, da gab es eben drei Dorfkneipen und da saßen abends die Männer zusammen und haben Apfelwein getrunken, Ebbelwoll, das war im Hessenland. Diese Kneipen gibt es da auch nicht mehr, aber …
Stephanie (19:41)
Hm?
Peter (19:55)
Mir kommt es immer merkwürdig vor, weil mir das noch so vertraut ist, dass abends die Männer irgendwo eintrinken gehen. Wie ist das bei Euch?
Stephanie (20:01)
Ja, hier
geht abends niemand einen trinken. man müsste nach Greifswald fahren, dort könnte man das machen. Aber auch das finde ich eher dünn so. Das sind eher so die, Studenten, die dann abends mal noch mal feiern gehen. ähm, also was machen wir abends, Peter? Wir sitzen natürlich vor dem Bildschirm und gucken eine Serie oder
Stephanie (20:36)
Peter, also wir haben jetzt festgestellt, es braucht doch irgendwie so eine Grundinfrastruktur, damit Menschen sich begegnen können und ihre Interessen sich zusammenfinden und man voneinander weiß überhaupt, kein schwarzes Brett und keine Plattform und wie soll man voneinander erfahren, aber kein Dörpus oder kein Kiez-Treff und schon
ist die Frage, wo man sich überhaupt begegnen kann. Also eine Grundinfrastruktur zu haben ist wichtig und am Ende findet aber nur statt, wo wir tatsächlich auch hingehen
Peter, du hast uns doch von dieser Umfrage erzählt, die Mia gemacht hat. Wie ist das denn ausgegangen?
Peter (21:23)
Die Geschichte kann ich noch gar nicht zu Ende erzählen, denn die Umfrage läuft noch.
Und ich vermute mal, dass Mia nicht nur unser Stadtviertel untersucht, sondern auch noch ein anderes, wenn es so weit ist, werde ich das natürlich hier in diesen Podcast reinbringen,
Stephanie (21:40)
jetzt waren wir heute viel in der Nachbarschaft unterwegs, deswegen werden wir beim nächsten Mal uns der berühmtesten Geschichte übers Helfen zuwenden oder eigentlich der Geschichte zum Thema Nächstenliebe.
Zumindest in unserem Kulturkreis, würden wir sagen. Ist das die bekannteste? Da könnt ihr alle schon mal nachdenken, welche Geschichte das sein könnte. Also, mit der werden wir uns beim nächsten Mal jedenfalls beschäftigen und freuen uns, wenn ihr wieder einschaltet. Und gleichzeitig schaffen wir hier ja auch einen Begegnungsraum. Peter und ich lernen immer was voneinander. Und wenn ihr uns zurückschreibt, dann lernen wir auch etwas von euch und begegnen euch und haben nochmal Nachbarschaft geschaffen.
Wie schön. Wir freuen uns aufs nächste Mal. Tschüss!
Peter (22:28)
Tschüss.
Und hier unsere Quellen:
Resourcen:
Die Erforschung von Stadtquartieren wird an der Technischen Universität Berlin im Fachgebiet Raumsoziologie vorangetrieben. Dort beschäftigen sich Studierende mit dem Potenzial von Nachbarschaften. https://www.tu.berlin/raumsoz/team/projektwerkstatt-nachbarschaft
Das Dörphus (Dorfhaus) in Weitenhagen bei Greifswald: https://www.kultur-mv.de/kultur-orte/doerphus-weitenhagen.html
In der Stadt Greifswald ist das studentische Künslerkollektiv Spunk unterwegs, um soziale Orte in der Stadt zu feiern. https://www.ardmediathek.de/video/nordmagazin/kuenstlerkollektiv-spunk-feiert-soziale-treffpunkte/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9iMjBlNDg2Yy0wODdmLTQ1ZjYtOGEwNS05MjE1MmI4MzRmODM
Die Hochschule Neubrandenburg hat die Rolle der sozialen Orte, besonders im ländlichen Raum untersucht und Empfehlungen zur Belebung zusammengetragen: https://www.hs-nb.de/ikr/transferstelle-daseinsvorsorge-betaversion/informationen-aus-der-welt-der-daseinsvorsorge/leerseiten-thema-xy-1/
Eine repräsentative Online-Befragung des Amateursports zeigt die Bedeutung des Vereinssports für soziale Kontakte – und die Abhängigkeit der Verein von ehrenamtlichem Engagement: https://fanq.com/wp-content/uploads/2023/07/fanq-studie-amateursport-gesamt.pdf
Die Genossenschaft für ein klimafreundliches Quartier und ihr Kieztreffpunkt: https://kliq-berlin.de/
Referenzen:
- Bibel, Lukas 10:25-37 in der modernen Übersetzung „Basisbibel“ Zur Geschichte vom barmherzigen Samariter musst Du im aufgeschlagenen Kapitel herunterscrollen.
- In Peters Buch gibt es ein kurzes Kapitel zur Geschichte vom barmherzigen Samariter: Peter Bartmann, Nächstenliebe. Das biblische Gebot – eine Inspiration für heute, Freiburg: Herder-Verlag 2024, Seite 41. Das Buch kannst Du auch direkt beim Herder-Verlag bestellen über diesen Link: https://www.herder.de/theologie-pastoral/shop/p2/83595-naechstenliebe-gebundene-ausgabe/
- Arbeiter Samariter Bund
Zur Geschichte des Arbeiter Samariter Bundes in Deutschland https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-Samariter-Bund_Deutschland
Eure Reaktionen und Kommentare zum Podcast erreichen uns über die E-Mail podcast@nahbar.net
Wir freuen uns über Eure Erfahrungen, Eindrücke und Ideen. Und hier das Transskript dieser Folge:
Transkript Folge 4: Die berühmteste Geschichte über Nächstenliebe
Peter Bartmann (00:11)
Hallo Stefanie.
Stephanie (00:12)
Hallo Peter!
Peter Bartmann (00:13)
und herzlich willkommen zum Podcast NAHBAR dem Podcast über Nächstenliebe und
Heute wollen wir über die berühmteste Geschichte sprechen, in der es um Nächstenliebe geht. Zumindest in unserem Kulturkreis ist diese Geschichte ganz, ganz bekannt. Sie steht in der Bibel, ist aber auch Menschen bekannt, die die Bibel nie aufgeschlagen haben.
Die Überschrift der Geschichte heißt Der barmherzige Samariter.
Sicher kennst du die auch, Stefanie, und hast sie schon oft gelesen, schätze ich mal.
Stephanie (00:51)
Ja, ich überlege gerade, ob ich eigentlich jemals schon mal drüber gepredigt habe, aber das ist mir, glaube ich, noch nicht passiert.
Peter Bartmann (00:56)
Das kommt ja in der Kirche auch
nicht so oft vor. Die wechseln ja die Texte, über die gepredigt wird. Aber ganz oft wird auf den barmherzigen Samariter Bezug genommen, als ein Beispiel dafür, worum es eigentlich im Leben geht.
Stephanie (01:11)
Ich lese jetzt die Basisbibel.
Kam ein Schriftgelehrter und wollte Jesus auf die Probe stellen. Er fragte ihn, Lehrer, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme? Jesus fragte zurück, was steht im Gesetz? Was liest du da? Der Schriftgelehrte antwortete, du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft. Und?
mit deinem ganzen Denken. Und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm, du hast richtig geantwortet, halte dich daran und du wirst leben. Aber der Schriftgelehrte wollte sich verteidigen. Deshalb sagte er zu Jesus, wer ist denn mein Mitmensch? Jesus erwiderte, ein Mann.
ging von Jerusalem nach Jericho. Unterwegs wurde er von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn bis aufs Hemd aus und schlugen ihn zusammen. Dann machten sie sich davon und ließen ihn halbtot liegen. Nun kam zufällig ein Priester denselben Weg herab. Er sah den Verwundeten und ging vorbei. Genauso machte es ein Levit als er zu der Stelle kam.
Er sah den Verwundeten und ging vorbei. Aber dann kam ein Samariter dorthin, der auf der Reise war. Als er den Verwundeten sah, hatte er Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn in ein Gasthaus und pflegte ihn.
nächsten Tag holte er zwei Silberstücke hervor, gab sie dem Wirt und sagte, pflege den Verwundeten, wenn es mehr kostet, werde ich es dir geben, wenn ich wiederkomme. Was meinst du, wer von den Dreien ist dem Mann, der von den Räubern überfallen wurde, als Mitmensch begegnet? Der Schriftgelehrte antwortete, der Mitleid hatte und sich ihn gekümmert hat. Da sagte Jesus zu ihm, dann
Geh und mach es ebenso.
Peter Bartmann (03:49)
Danke, berührt diese Geschichte immer ich glaube, am meisten bewegt die Bedeutung des die da einfach beispielhaft erzählt wird. Wie geht es dir damit?
Stephanie (04:01)
Mhm.
Also ich finde erstmal die Frage spannend, die dieser Schriftgelehrte stellt. was ist denn eigentlich das Wichtigste im Leben? worauf kommt es an? Und da kriegt er ja die Antwort, du sollst Gott lieben und ganz umfassend Gott lieben.
Und dann liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Das scheint ganz ähnlich wichtig zu sein.
Und da wird ja hier erzählt, dass dieser Schriftgelehrte sich verteidigen wollte. Er weiß gar nicht, was da sein Problem ist eigentlich. Und dann will er es genau wissen. Wer ist denn mein Mitmensch? So, in anderen Übersetzungen steht da der Nächste. Wer ist denn mein Nächster?
Und dann erzählt Jesus diese Geschichte. ja, ich weiß gar nicht, was da so die Motivation ist. Hat man da Respekt davor? Ist die Aufgabe zu groß? Sagt man irgendwie, kann man das bitte ein bisschen einschränken? Wen soll ich jetzt alles lieben? Und gibt es vielleicht auch jemanden, den ich nicht lieben muss? Ich hätte ja eher Respekt vor dem Part, wo man Gott mit ganzer Hingabe
lieben soll, da würde ich eher sagen, das weiß ich nicht, ob das so umfassend immer so möglich ist. Beim Nächsten denke ich irgendwie, ja, es reicht vielleicht ein bisschen Freundlichkeit. Aber es finde ich schon auch irgendwie gewieft, dass er das dann schon einmal genau wissen will.
Peter Bartmann (05:37)
Mir geht das auch so, wenn ich dann höre, ich Gott mit ganzem Herzen, ganzer Kraft, ganzem Verstand lieben soll. Das klingt sehr groß. dann zu sagen, es gibt dann noch ein gleich wichtiges Gebot, sich nämlich Mitmenschen zu kümmern, das kommt mir ganz machbar und praktisch vor. Aber das ist die Wirkung dieser Geschichte.
Stephanie (05:58)
Mhm.
Peter Bartmann (06:04)
Die Wirkung dieser Geschichte ist zu sagen, die großen Werte, die Beziehung zu in der Beziehung zu den erfüllt, sich und darauf kommt es an.
Stephanie (06:16)
Ach, du meinst dieses, indem man seinen Mitmenschen liebt, erfüllt man quasi auch schon gleich das erste Gebot.
Peter Bartmann (06:23)
ich verstehe das so, dass es eben das Wichtigste im Leben geht und das ist einmal die Beziehung zu Gott und dann auch die Beziehung zu den Mitmenschen.
Stephanie (06:30)
Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (06:36)
Und jetzt kann man vielleicht sagen, die Beziehung zu Gott, ist auch die Beziehung zu den Werten, für die man steht oder die einem wichtig sind. Oder man kann sagen, die Beziehung zu dem Großen und Ganzen, was viel größer ist als ich. Also da sind heute wahrscheinlich unterschiedliche Bezugspunkte möglich.
Stephanie (06:47)
Mhm.
Mhm.
Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (07:02)
Also das große Ganze, der Horizont, der universale Horizont und dann der Mensch, neben mir steht. die Richtung der Geschichte ist, es kommt darauf an, wie du mit deinen Mitmenschen umgehst. Auf Menschlichkeit kommts an. das hat eine religionskritische Wendung.
Stephanie (07:11)
Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (07:27)
eine Wendung gegen Menschen, eben ganz stark ihre Werte kultivieren und in ihren Traditionen leben. ja und was ist hier mit dem Mensch, auf der Straße, auf der du gehst, verletzt ist und am Wegrand liegt.
Stephanie (07:43)
Mhm.
das liest du wahrscheinlich in diesen Menschen, die an dem Verwundeten vorbeigehen.
Peter Bartmann (07:50)
So habe ich das verstanden. sind ja Menschen, im religiösen Leben drin sind. Die gehen vorbei. Vielleicht müssen wir da auch erklären, was eigentlich ein Samariter ist.
Stephanie (07:56)
Hm.
Ja,
Peter Bartmann (08:03)
Samariter sind ein kleines Volk, was auch heute noch Zur Zeit Jesu war das nicht sehr geschätzte Minderheit.
Stephanie (08:05)
Mhm. Mhm.
Mhm.
Ich glaube, sie sind schon Israeliten, aber im Grunde haben sie über lange Zeit, über Jahrhunderte ihre eigene Tradition gepflegt und auch in einer anderen Weise da in der Region, wo sie gelebt haben, als das dann im Jerusalem, wo ja quasi das Zentrum des Kultes angesiedelt war, gepflegt worden ist. Und diese Differenz auch, die schon örtlich entstanden ist, die erzeugt dann eine Spannung, die sich bis zur Zeit von Jesus hält.
Und dann sind das eben die Komischen aus der Provinz, die nicht richtig genug religiös sind, von Jerusalem aus betrachtet, wo man es ein bisschen besser weiß oder zu meint.
Peter Bartmann (08:56)
Und heute kommt das Wort ja vor im Namen einer Organisation, die vielleicht auch in deiner Nähe tätig ist. Es gibt den Arbeiter Samariter Bund. Und der Arbeiter Samariter Bund ist eine nicht religiöse, nicht konfessionelle Organisation, die aber im Namen dieses hat zu sagen, zuerst Menschlichkeit mit Menschlichkeit leben. Und auch durchaus mit diesem
Stephanie (09:04)
Mhm. Mhm.
Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (09:21)
Impuls gegen die Kirchen und Religionsgemeinschaften. Wir tun das, was praktisch nötig ist.
Stephanie (09:27)
diese Geschichte handelt davon, was eigentlich wichtig ist im Leben, worum es geht. Wir wünschen uns Glück und Gesundheit und wer religiös ist, der wünscht sich Gottes Segen. Und hier ist das, was wichtig ist oder worum man
ringen soll, ist das Mitleid, dem Nächsten zu begegnen. Ich glaube, ist ein Aufrütteln unserer Menschlichkeit. Worauf kommt es überhaupt drauf an, wenn du Mensch bist? Begegne deinem Nächsten in einer guten Weise. wenn ich so an unsere Nachrichtenlage denke oder so, dann denke ich, das wäre auch heute ein
eine sehr kritisch infragestellende Geschichte. wen kümmern wir uns eigentlich? wen sind wir uns bereit, uns zu kümmern? Was ist uns wichtig? Welche Werte gelten bei uns? das scheint mir im Moment gerade nicht der höchste Wert gesellschaftlich zu sein. Kümmere dich den, der es nötig hat. Oder lass dich rühren von Mitleid. Das klingt mir gerade ziemlich out. Es berührt mich auch gerade richtig, wenn wir diese Geschichte lesen, dass du denkst,
Das Christentum ist ja mal das Fundament unserer Kultur gewesen hier im Europa Und dann ist das eine der Basisgeschichten, die vom Wesentlichen handelt. Und es scheint mir doch sehr an den Rand gerückt zu sein, dieses Thema.
Peter Bartmann (10:45)
der interessante Punkt bei der Geschichte ist, dass nicht der moralische Zeigefinger gehoben wird und gesagt wird, bitte tu mal das und das für deinen Nächsten, sondern es wird an was erinnert, zu dem alle Menschen fähig sind, nämlich das Gefühl des Mitleids.
Stephanie (10:50)
Mhm.
Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (11:05)
Das ist ja ein Gefühl, was einen ergreift. So ist mir neulich gegangen, da stand eine ganz, ganz dünne Frau.
Stephanie (11:08)
Hm?
Peter Bartmann (11:14)
in der U-Bahn und hat um Geld gebettelt. In jeder U-Bahn sind 2, 3, 4 Leute, das tun. Und das war aber eine Situation, wo plötzlich die Emotion da war. Und diese Erinnerung daran, dass wir dazu fähig sind, das ist etwas ganz Starkes, finde ich.
Stephanie (11:18)
Mhm.
Mhm.
Mhm.
ich guck gerade nochmal in den Text, aber dann kam ein Samariter dorthin, der auf der Reise war. Als er den Verwundeten sah, hatte er Mitleid mit ihm. Und das ist der Auslöser, dass er dann hingeht und ihm dann die Wunden verbindet und dann auch dafür sorgt, dass er auch längerfristig versorgt ist. Und du sagst, das ist die Dreh- und Angelstelle dieser Geschichte.
dass er ein Gefühl hat, eine Regung hat und dann reagiert auf diesen Menschen. Und du sagst, es geht gar nicht darum, jetzt ein neues Gesetz aufzumachen, Helft einander! sondern sich an die Fähigkeit zum Mitgefühl für den anderen zu erinnern, die so ein Motor sein kann, füreinander einzustehen.
Peter Bartmann (12:25)
Ich glaube Mitleid ist eine Emotion die einen sofort zum Handeln bringt. Und das ist stark. Die unterbricht andere Pläne, die man hat, zum Beispiel Reisepläne. Und sie macht, dass man sofort etwas tut. Und beides ist wichtig. Einmal dieses
Stephanie (12:30)
Hmm.
Mhm. Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (12:44)
Mitgefühl, dass wir mit anderen Menschen, die uns fremd sind, die wir überhaupt gar nicht kennen, Mitgefühl haben können und dann auch diese wunderbare Fähigkeit tatsächlich direkt ins Handeln zu gehen. Und ich glaube, dass hinter ganz, ganz vielen tollen Initiativen diese Emotion steht, dass irgendjemand sagt, okay, ich war so berührt davon und
Stephanie (12:46)
Mhm.
Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (13:12)
Es ging nicht nur nach innen, sondern ich habe sofort was gemacht.
Stephanie (13:14)
Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (13:16)
Und du warst jetzt kritisch und hast gesagt, das ist vielleicht ein Wert, der in unserer Gesellschaft nicht mehr so viel zählt. Ich glaube schon, dass es dafür auf jeden Fall einen großen Respekt gibt, dass Menschen das tun. Und dass wir alle das absolut schätzen, diese Menschen, die initiativ werden und zu packen und Probleme lösen. Was nicht heißt, dass wir das immer selber sind.
das sind Höhepunkte im Leben, wo man plötzlich sagt, okay, das ist es, ist die Richtung, in ich gehen will.
Stephanie (13:54)
Ja, also im Grunde erinnert mich die Geschichte so ein bisschen an das, was du in allerersten Folge erzählt hattest von deiner Nachbarin, wo es ja so ein Ausnahmeereignis gab, dass es dem Nachbarn schlecht ging, da der Krankenwagen stand und sie dann zum Helfen rübergegangen ist. Das ist eigentlich so eine klassische Barmherziger- Samariter-Situation Aber ich glaube gar nicht mal, dass es nur diese Highlight-Ereignisse sind, sondern dass…
Es ganz ähnliches Grundgefühl, wenn man sich entscheidet, für seine Kinder Zeit zu nehmen und da Zeit zu investieren, damit die gut aufwachsen können. Oder wenn Menschen ihre Eltern pflegen und da auch oft finanzielle Nachteile in Kauf nehmen, das zu tun. Das ist dann nicht einmalig, das krempelt ein ganzes Leben und zwar langfristig. Also ich glaube, es gibt es, das ist die kurzfristige
Mitleidsregungen gibt, die einen dann unterbricht und wo man auch manchmal staunt, wie sehr man sich dann tatsächlich unterbrechen lässt, jemanden anders spontan zu helfen. Aber ich glaube eigentlich so im Alltag bestimmender ist, dass man tatsächlich bereit ist, Fürsorge zu geben für andere. Und das müssen nicht immer die Familienangehörigen sein,
es kann auch sein, dass man einen Beruf wählt, in dem man sich kümmert, die sozialen Berufe, Und da würde ich doch sagen, also strukturell würde ich sagen, ist das in Deutschland nicht hoch angesehen, wenn Menschen diese Wege einschlagen. Also dann kommt ein Herr Merz und sagt, wir müssten mehr arbeiten und vergisst, dass mehr Arbeit bedeutet, dass weniger Ehrenamt möglich ist.
was für ihn aber wirtschaftlich nicht ganz so lukrativ ist. Also da wird schon, also ich sag mal, da sind zumindest die Wirtschaftskräfte schon sehr dran, dass sie daran ziehen an diesem Konzept. in der letzten Folge haben wir darüber gesprochen, dass es auch eine Grundstruktur braucht, dass es eine Organisation braucht, gute Nachbarschaftsstrukturen möglich zu machen. Und da sind wir auch drauf gekommen, dass es einfach Zeit braucht dafür.
Du hast es ja auch schon gesagt, der Priester, der als allererstes dran vorbeigegangen ist, es kann sein, dass der religiöse Gründer hatte. So das nehmen glaube ich auch viele Ausleger der Geschichte an. Aber es kann eben auch sein, dass der unter einem enormen Zeitstruck stand, aus welchen Gründen auch immer, und das in dem Moment nicht wirklich wahrnehmen konnte, was da neben ihm ist. Und dann kommt auch die Gefühlsregung nicht und dann kommt auch die Unterbrechung nicht.
Peter Bartmann (16:25)
Das sind gleich zwei Themen, über die ich gerne mit dir noch weitere Folgen machen würde. Das eine ist die Frage, wie ist das mit der Wertschätzung? da könnten wir auch mal nachgucken, wie verschiedene gesellschaftliche Gruppen das sehen und natürlich auch, was ist schön gesagt und gibt diese Wertschätzung wirklich?
Stephanie (16:31)
Hahaha!
Peter Bartmann (16:46)
das kann man sich mal angucken, also würde mich jedenfalls interessieren. Und dann habe ich auch große Lust nochmal über das Thema Zeit mit dir zu reden. Einmal weil mich das selber auch so beschäftigt. Ich bin auch oft sehr, sehr stark in so einem Zeitplan drin und gucke nicht.
Stephanie (16:49)
Mhm.
Mhm.
Peter Bartmann (17:07)
links noch rechts. kann mir sehr gut vorstellen, dass ich der bin, der vorbeigeht, der auf sein Handy startet, der irgendeinen Termin wahrnehmen will und so weiter. Und jetzt kann man wieder groß den Zeigefinger erheben, aber wichtig ist ja es zu verstehen, wie funktioniert das, warum ist man so unter Zeitdruck und was wäre vielleicht eine Alternative.
Stephanie (17:15)
Mhm.
Dazu kann ich kurz beisteuern, als Peter und ich zusammen an Peters Buch gearbeitet haben. Peter hat ja ein Buch über die Nächstenliebe geschrieben. Da waren die Telefonate mit Peter immer genau 30 Minuten lang. Das sei ganz zuverlässig so, dass dann Peter das abmoderiert hat und wir uns verabschiedet haben. Meistens war das Wesentliche dann auch wirklich schon besprochen. Aber da habe ich auch immer gemerkt, Peter, der ist organisiert, der hat einen Zeitplan und jetzt ist was anderes dran. War völlig gut, ist ja auch für mich praktisch gewesen.
Peter Bartmann (17:56)
Ich dachte, du hättest das immer noch 30 Minuten abmoderiert.
Stephanie (17:59)
Also ich hatte keinen Zeitplan.
Peter Bartmann (18:01)
Ja, bei mir war es tatsächlich so, dass ich dieses Buch zusammen mit einer vollen Berufstätigkeit geschrieben habe. Und ich musste sehr genau immer mir Zeitfenster freiräumen. Und Stefanie, das war toll, dass du auch tatsächlich das mitgemacht hast. Also da bin ich noch sehr dankbar dafür. Natürlich auch dafür, dass du mich ganz schön herausgefordert hast beim Lektorieren. Und das ist ja, glaube ich,
ein Punkt, auch hier in diesem Podcast eine Rolle spielt. Wir wollen nicht nur plaudern, sondern wir wollen auch Gegensätze und Spannungen sichtbar machen und zwar mit Vergnügen. Und das war bei dem Buch auf jeden Fall
Stephanie (18:41)
Ja.
Stephanie (18:45)
So, noch mal zurück zu unserer Geschichte. Die hatte am Anfang ja eine große Frage. Und zwar, was ist eigentlich wichtig im Leben? Worum geht es? Und darauf sagte Jesus, du sollst Gott lieben oder, wie Peter das jetzt übersetzt hat, einen Bezug zum universellen und zum großen Ganzen für dich herstellen und deinen Mitmenschen wie dich selbst.
Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn ihr das jetzt so hört, ist das was, löst das was in euch aus? Habt ihr das Gefühl, sich von Mitleid bewegen zu lassen? Das ist eigentlich tatsächlich ein Schlüssel in meinem Leben zu anderen Menschen, aber eben auch dazu ein erfülltes, sinnvolles Leben zu führen oder
Haltet ihr das für völlig blauäugig und weltfremd, sich in dieser Zeit von Mitleid anregen zu lassen? Also ich muss sagen, mich hat das heute ein bisschen innerlich geschüttelt, dieses, Lass ich mich eigentlich unterbrechen.
Lass ich mich anregen vom Mitleid für den anderen? Oder schaffe ich dem Raum, dass das möglich ist? Ich habe so eine innere Kompassnadel, dass die sich irgendwie ausrichten kann. Dafür finde ich die Frage tatsächlich wichtig. es würde mich interessieren, wie ihr das so seht und was ihr für Erfahrungen damit macht.
Peter (20:15)
könnt ihr uns per E-Mail zusenden. Eure Fragen, eure Gedanken zum Thema Mitleid. Auch zur Geschichte des barmherzigen Samariters, mit dem sicher viele von euch auch schon in Berührung gekommen sind. Stephanie ich komme noch auf einen Punkt zurück, den du dir wichtig war. sagst, na ja, es ist nicht nur die Emotion, die mich ergreift.
Es sind auch fürsorgliche Beziehungen Und das ist ein Faden, wir in der nächsten Folge noch mal aufgreifen, und zwar unter dem Stichwort Empathie. Empathie ist nicht gleich Mitleid. Das ist eine Haltung und es geht darum, andere wahrzunehmen, ernst zu nehmen, ihnen Möglichkeiten zu geben. da freue ich mich darauf, dass wir an diesem Punkt
gemeinsam weiter überlegen.
Stephanie (21:03)
Ja, ist auf jeden Fall ein gutes Fenster zum Thema Nächstenliebe und Nachbarschaft.
Peter (21:08)
Machts gut, Stephanie Tschüss.
Stephanie (21:10)
Bis dahin Peter.
Ressourcen:
Zum Begriff Empathie ein Artikel in der Zeitschrift „Psychologie heute“: https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/42084-empathie-definition-merkmale-und-auspraegungen.html
Die Goldene Regel in der Bibel: Matthäusevangelium Kapitel 7, Vers 12 in der Übersetzung „Basis-Bibel“ https://www.die-bibel.de/bibel/BB/MAT.7
In Peters Buch gibt es einen Abschnitt zur Goldenen Regel in der Bergpredigt: Peter Bartmann, Nächstenliebe. Das biblische Gebot – eine Inspiration für heute, Freiburg: Herder-Verlag 2024, Seite 32-34. Das Buch kannst Du auch direkt beim Herder-Verlag bestellen über diesen Link: https://www.herder.de/theologie-pastoral/shop/p2/83595-naechstenliebe-gebundene-ausgabe/
Die Goldene Regel spielt auch in anderen Kulturen, Religionen und in der philosophischen Ethik eine Rolle: https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel
Zum Thema „Ironie“ und „Empathie“, das Stephanie anspricht, hier ein Beitrag aus der Kognitionswissenschaft, in dem betont wird, dass „Ironie“ voraussetzt, dass man sich in andere hineinversetzen kann: Dem Humor auf der Spur. Wie erkennt das Gehirn Ironie?
https://fis.uni-osnabrueck.de/vivouos/display/wf6v14
Transkript Folge 5 Empathie und die Goldene Regel
Stephanie (00:02)
Hallo und herzlich willkommen zu NAHBAR unserem Podcast über Nächstenliebe und Nachbarschaft. Ich bin Stephanie und am anderen Mikrofon sitzt… Hallo Peter. Wir haben uns beim letzten Mal unterhalten über den barmherzigen Samariter, der einfach aus der Situation heraus, als er einen Menschen in Not gesehen hat, vom Mitleid ergriffen war und geholfen hat.
Peter (00:12)
Peter
Hallo Stefanie.
Stephanie (00:31)
Heute gehen wir wieder einen Schritt zurück in unsere Nachbarschaft und schauen uns mal an, wie ist das denn eigentlich mit den Menschen, die uns jetzt nicht gleich so nah ans Herz rücken Also wo man vielleicht lieber
seiner Straßenseite bleibt, wenn man die trifft? Wie ist es da mit der Nächstenliebe und der guten Nachbarschaft?
Peter (00:56)
Stephanie, dazu kann ich eine Geschichte erzählen aus meiner Nachbarschaft.
Stephanie (00:59)
Peter, erzähl uns eine Geschichte aus deiner Nachbarschaft.
Peter (01:01)
hier in unserer Straße, da lebt eine Frau um die 40 mit ihrer Tochter und die beiden sind ganz zurückhaltend. Also vor allen Dingen ist die Mutter zurückhaltend und hat auch die Tochter immer so von anderen ferngehalten.
Peter (01:21)
Und ich nenne die Nachbarin mal Mona. Sie heißt anders. Und Mona, wenn ich ein Paket für Sie annehme, dann klingelt sie, sagt kurz Hallo und Danke, aber kein Wort mehr.
Stephanie (01:38)
also schon erstmal so die Grundlagen der Höflichkeit,
Peter (01:40)
auf der Straße grüßt sie schon, wenn sie einem gar nicht ausweichen kann, aber sonst bleibt sie lieber bei sich.
Stephanie (01:50)
Also so ein Introvertiert würde man das vielleicht nennen, ne? Ja.
Peter (01:53)
Ganz ernst auch.
auf der
wird natürlich über sie auch bisschen schlecht geredet, so nach dem Motto, na die redet ja nicht mit uns oder nur wenn sie jemanden braucht, meldet sie sich.
Stephanie (02:05)
⁓ Guck mal, dann nehmen die Leute das persönlich und beziehen das auf sich, als hätte sie was gegen euch, was ja erstmal gar nicht gesagt ist. ist ja vor allen Dingen für sich, aber es hat sofort auch eine Ausstrahlung und man denkt, er hat was gegen uns. Interessant.
Peter (02:21)
Und eines Tages haben die beiden einen kleinen Hund bekommen. Ein Welpen. Super süß!
Stephanie (02:25)
⁓ ja, das Viertel ist verliebt.
Peter (02:29)
Und den hat sich wahrscheinlich die Tochter, die so vielleicht 15, 16 ist, gewünscht. Aber die war auf einmal nicht mehr da, sondern wie wir herausgefunden haben, zu einem Schüleraustausch in Kanada
Stephanie (02:34)
Mhm. Ein ganzes Jahr weg.
Peter (02:46)
So,jetzt war Mona allein mit dem Hund und sie arbeitet ja und ja, da macht man sich so seine Gedanken und diese Gedanken, die hat sich eine alte Dame auf der anderen Strassen Seite gemacht, Maria nenne ich sie. Die hatte früher auch einen Hund und kennt sich sehr gut mit Hunden aus. Und Maria vermisst ihren alten Hund, aber sie und ihr Mann sind für einen neuen Hund einfach zu alt, sagt sie.
Stephanie (03:01)
Ja.
Peter (03:17)
Maria sieht sich die Situation auf der anderen Straßenseite ein paar Tage an. Also dieser junge, wilde Hund, der im Haus immer bellt, auch wenn niemand da ist. Total.
Stephanie (03:24)
Der ist dann lange alleine zu Hause, wenn man arbeitet. Das ist nicht schön für so’n Hund
Peter (03:33)
Und schließlich wirft Maria der Mona eine Karte in den Postkasten ein.
Stephanie (03:40)
Nein! Eine Postkarte an die Nachbarin.
Peter (03:44)
Und auf der
Karte steht
Auf der Karte steht, ich könnte ihren Hund zweimal in der Woche nachmittags nehmen.
Das ist eine Geschichte über Empathie, Stephanie, finde ich.
Stephanie (03:56)
Du sagst, ist eine Geschichte über Empathie. Also mir fällt ja erstmal auf, wie viel ihr über die Nachbarin wisst, die nicht mit euch spricht. Das ist doch auch mal wieder herrlich. Nachbarschaft, so. Man sieht einfach viel voneinander und man nimmt sich wahr. ob man das jetzt teilen will oder nicht oder aktiv teilt oder nicht, irgendjemand weiß was und dann weiß es die Nachbarschaft. Herrlich.
Peter (04:24)
oder wir denken, wir wissen es. Das ist natürlich auch immer in jedem Kopf eine eigene Geschichte, ganz klar.
Stephanie (04:29)
Na ja, ich meine, für die Frau ist es wahrscheinlich eher Stress, zu wissen, dass die Menschen sie wissen. Aber am Ende ist es ja eigentlich, finde ich, ganz gutes Zeichen fürs Sozialgefüge. Man muss das ja nicht immer gleich neugierig oder tratschig oder irgendwas finden. Man ist halt auch, man hat einander im Blick. Und ich denke immer, wenn dann mal was ist, dann kann man eben auch füreinander da sein.
sich jetzt so wahnsinnig sympathisch ist oder nicht? Was macht man denn, wenn das nicht so ist? Wir reden ja auch viel über Einsamkeit gerade.
Witzig. Und du sagst, ist eine Geschichte über Empathie. Die Maria war empathisch. Sagst du, was macht da für dich die Empathie aus?
Peter (05:15)
Ja, ich weiß gar nicht genau, was in ihr vorgegangen ist. Ich kann mir vorstellen, entweder hat sie sich überlegt und hat gedacht, okay, berufstätige Frau mit Hund allein, da muss irgendwas passieren. Da muss jetzt jemand eingreifen. Und das könnte so eine Kopfsache gewesen sein, dass man sagt, ich sehe doch, was da los ist. Es könnte aber auch
Stephanie (05:24)
Mhm.
Peter (05:44)
gefühlshaft sein. Es könnte sein, dass sie, als sie den Hund gesehen hat und die Frau, die Mona, nicht damit klarkommt, dass sie unmittelbar gedacht hat, da muss ich was tun. Und ganz sicher ist in ihrem Fall auch eine Spur Tierliebe dabei.
Stephanie (06:05)
Du sagst aber, ist nicht das dominante Moment in dem Fall.
Peter (06:12)
Na ja, oft sind ja Tiere Brücken zwischen Menschen und wenn ein Tier in der Mitte ist, dann werden plötzlich auch die Gefühle wieder lebendig.
Stephanie (06:15)
Na das ist jetzt natürlich spannend zu wissen, wie das ausgegangen ist, aber das heben wir uns glaube ich fürs Ende auf, wie diese Geschichte weitergeht Und wir bleiben noch ein bisschen bei der Empathie.
Stephanie (06:39)
Also, wir können uns in einen anderen Menschen hineinversetzen. Das ist ja eigentlich auch schon so eine verrückte Idee, Man kann ja tatsächlich nicht reinschauen. Ich kann deine Gedanken nicht sehen. Ich kann deinen Gesichtsausdruck sehen und dann aus meiner Erfahrung was ableiten, was in deinen Emotionen los ist. Aber am Ende weiß man es ja eigentlich nie. Und trotzdem ist das so ein Tool, das wir haben, dass wir uns überlegen können, was ist jetzt in dieser Situation.
mit der anderen Person vorlos. Und ja, also so aus Maries Sicht, ich glaube, wenn ich das beobachten würde und mir vorstelle, wie es dieser Person, so wie ich die kenne, wie es Mona geht, jetzt allein und mit dem Hund, wäre ich, glaube ich, zu einem ähnlichen Schluss gekommen, so dass das helfen könnte, wenn man ihr den Hund manchmal abnimmt und natürlich auch dem Hund hilft.
Empathie ist schon eine kleine Superkraft eigentlich, die man da hat.
Stephanie:
Empathie ist für mich so ein Schlüssel, wenn ich merke, dass mich was so richtig geärgert hat.
und mir das so nachgeht und ich immer noch grüble warum hat die Person jetzt das gesagt und ich habe doch aber das gemeint und warum reagiert sie jetzt, wie sie reagiert und dann bin ich meistens bei mir und ärgere mich, warum ich nicht richtig wahrgenommen wurde und ich so falsch verstanden worden bin und die Person müsste es doch nur richtig verstehen.
Und wenn ich merke, was lässt mich nicht los, dann weiß ich inzwischen, mir hilft es, wenn ich mich einmal in diese andere Person reinversetze. Und dann nehme ich mir richtig Zeit, setze mich einmal kurz hin und überlege mir das, was ist denn eigentlich gerade die Situation der anderen Person? Was weiß ich über die gerade, was bestimmt ihren Alltag gerade? Was weiß ich, was ist ihr wichtig? Das ist ja auch oft anderes, als mir wichtig ist.
Und wie hat sie wohl meine Mail gelesen? für sie liest sich das so. Okay, ja dann verstehe ich, warum sie so reagiert. Also es ist nicht immer so, dass dann meine Wut gleich verflogen ist oder sich alles gleich klärt, aber es ordnet sich alles ein bisschen besser ein.
ja, ich finde das wirklich, also ja, ich finde es eine super Kraft. Sehr hilfreich im Alltag, wenn man dran denkt, dass man die Möglichkeit hat. Aber es ist tatsächlich, ich glaube, das ist der Schlüssel, dass man für einen Moment nicht bei sich und seiner eigenen Wahrnehmung bleibt, sondern quasi ein Stück rausrückt.
und die Sicht der anderen, also versucht den Standpunkt und die Sichtweise der anderen Personen einzunehmen. Das darf man dann auch wieder nicht absolut setzen, weil das kann man ja nicht, das wäre dann eine Unterstellung. Da kann man sich immer noch überraschen lassen, dass das beim anderen vielleicht doch auch anders war, aber erstmal als Versuch und als Perspektivwechsel ist das ja auch ein Schlüssel, sich gut begegnen zu können.
Peter (09:50)
Na, Stefanie, du verfügst über diese Superkraft. ich erinnere mich an das, was du über deinen Nachbarn gesagt hast, der mit dem Rasenmäher, wo du sagtest, ich will eine Wildblumenwiese haben. Und du hast aber dir doch Gedanken gemacht, warum er einen akkurat gesnittenen Rasen will
Stephanie (09:59)
Ja?
Peter (10:07)
und er denkt, das muss so sein und du hast dir Gedanken gemacht. Ich befürchte mal, ihr habt nicht drüber geredet, oder?
Stephanie (10:15)
Wir haben nicht drüber geredet, nein. Ich fand aber seine Situation auch klar. Wir haben die Vermieter auf dem Nachbargrundstück gewohnt und die mähen raspel kurz und da hat er einen Stress. Das finde ich total nachvollziehbar. Also es geht ja selbst uns so, dass wir öfter mähen als wir mähen wollen, weil wir wissen, sonst kommen die mit ihrem Traktor rüber und graben uns die Erde Weil sie so kurz mähen.
Peter (10:39)
Ja, aber nochmal zur Empathie. Also was du von dir beschreibst, ist, glaube ich, so eine Kopfsache. Zu sagen, ich bin emotional verwickelt. Vielleicht auch ist ein Konflikt im Hintergrund oder es könnte einer werden und du sagst, Moment mal, ich will mich mal auf die andere Seite der Straße stellen und überlegen, wie sieht die Welt von da aus aus.
Stephanie (10:49)
Mhm.
Peter (11:03)
Ich glaube, das ist tatsächlich eine wirklich wichtige Fähigkeit, in andere Menschen reinversetzen zu können und dann aber nicht nur ganz rational, sondern auch sich einzufühlen. Empathie heißt Einfühlungsvermögen. Und das ist, glaube ich, im Zusammenleben eine ganz wichtige Fähigkeit, die wir mehr oder weniger gut praktisch permanent benutzen, um mit anderen Leuten klarzukommen.
Stephanie (11:33)
Ich glaube aber, dass das der Schlüssel ist. Ich glaube, der Impuls, also jetzt bei meiner Übung, im Fall von es wühlt mich auf und ich muss mich jetzt mal in die andere Person hineinversetzen, kommt der Impuls aus dem Kopf. Aber ich glaube, dass die Hauptarbeit liegt auf der Gefühlsebene und wo man sich dann mit dem anderen eben auch wieder verbindet. das Emotional, ich glaube, da passiert auch ganz viel unbewusst dann. Also so, ja.
auf dieser Verbindungsebene auch. Wo man dann auch zwar einseitig, aber quasi auch die Beziehungsebene wieder herstellt. Ich weiß gar nicht, kann das Kopfsache sein? Ich glaube nicht, dass das immer nur die reine Vorstellung ist. Ich glaube, man kann sich manchmal dafür entscheiden und das wäre eine Kopfsache.
Ansonsten halte ich Empathie eigentlich immer für etwas sehr Emotionales. Die Fähigkeit, also das Em- in Empathie ist das Innen. Und Pathos ist das Gefühl, ein Leid und dieses Mitfühlen zu können, was in dem anderen vorgeht, soweit man das sich vorstellen kann.
Das ist Empathie.
Peter (13:00)
Was du beschreibst ist eher der Punkt, ich habe Gefühle und die Kopfsache besteht darin, mir so ein bisschen Klarheit zu verschaffen und die Dinge auseinanderzunehmen und dann noch mal nachzufühlen, was dann am Ende bleibt. nachdenklich und auch strukturiert. Du nimmst dir ja extra Zeit dafür.
Stephanie (13:09)
Ist das auch die Unterscheidung die ich machen würde?! Ist es also ein bewusster Schritt, wenn man das als Methode für sich auch im Zweifelsfall anwendet? Oder ist es unbewusst? Da würde ich jetzt eigentlich bei Maria vermuten, dass sie vor allen Dingen die Situation wahrgenommen hat und vielleicht auch die Gespräche in der Nachbarschaft verfolgt hat und dann diesen Impuls hatte
Ich glaube, ist dann wirklich was Unbewusstes. Aber ich finde es eigentlich, also wenn wir jetzt so drüber reden, finde ich es jetzt gar nicht so weit weg von diesem Samariter eigentlich und von dem Mitgefühl. Also es ist eigentlich ein Wahrnehmen von einer Not. Und dann eben auch handeln zu wollen, was tun zu wollen. Schön.
Peter (14:05)
Ja, Hörerinnen, liebe Hörer, welche Form von Empathie liegt euch näher? Das sich hineinversetzen in die Situation anderer Menschen oder seid ihr eher direkt emotional berührt von dem, was in eurer Umgebung passiert? wenn ihr uns dazu was schreiben wollt, freuen wir uns und greifen das auch später wieder auf. Denn das ist ein Thema, was wir sicher noch mal weiter besprechen.
Stephanie (14:35)
Das könnte ich mir vorstellen. Ein-,
Ich selber lasse mich ja gerne auch mal inspirieren von so Impulsen, die die Bibel für unser Miteinander gibt. Und da gibt es im Neuen Testament einen ganz prominenten Vers, den kennt eigentlich
jeder, das wird oft so wiedergegeben, was du nicht willst, dass man dir tu, das fügt auch keinem anderen zu. Die sogenannte goldene Regel.
Hast du gerade den Originaltext auch, Peter?
Peter (15:15)
Ja, ich kann sie aus der Basisbibel vorlesen. Das ist eine Übersetzung in moderner Sprache.
Peter (15:25)
Matthäus Evangelium Kapitel 7, Vers 12: Behandelt andere Menschen genau so, wie ihr selbst behandelt werden wollt. Denn so steht es im Gesetz und bei den Propheten.
Stephanie (15:43)
behandelt andere Menschen genau so, wie ihr selbst behandelt werden wollt.
für mich ist das eine Leitlinie für mein Leben und für meinen Umgang mit anderen Menschen. Dass ich das schon immer mal prüfe in meinem Leben. zum Beispiel neige sehr zur Ironie und das soll dann lustig sein, ich kann mich da sehr gut hinter verstecken.
Und gerade so im Umgang mit meinen Kindern merke ich, die wissen dann nicht so richtig, woran sie sind. Und das ist eigentlich nicht schön. also ich weiß das und ich überlege mir, was ich dann machen kann. Und dann passiert es mir relativ oft, dass ich so im Alltag merke, ⁓ jetzt bist du wieder in der Ironie-Schiene.
Und dann sage ich manchmal genau denselben Satz noch mal mit einer anderen Betonung. Einfach, dass sie dann auch das gefühlsmäßig unterlegt haben, ich jetzt, bin ich jetzt ernst oder bin ich jetzt lustig oder hat mich was so bisschen aufgeregt, dann kriegen sie das auch noch mal ein bisschen klar. Und das finde ich ein bisschen lustig, dass ich dann manchmal sehr zu doppelt sage. Aber das kommt tatsächlich aus diesem Gedanken heraus, dass ich mir das ja auch für mich selber wünsche, dass die Menschen
authentisch mir gegenüber sind und klar sich mir gegenüber äußern und dann gebe ich mir auch Mühe, in meinem Alltag zu machen. Ich meine, da gibt es immer Leute, die sind selber sehr ironisch und dann geht das so hin und her. Das finde ich schon auch schön. Das macht mir sehr viel Spaß. Das ist nicht so leicht wieder rauszukommen. ja, genau. Machst du das auch?
Peter (17:18)
Also ich versuche gerade nochmal zu verstehen. Du versetzt dich in die Lage deiner Kinder, weißt, dass die mit Ironie nicht so viel anfangen können oder irritiert sind.
Stephanie (17:30)
Ja, ich meine, das sieht man ja da so ein bisschen dann in den Gesichtern. Oder ich versuche mich hinein zu versetzen und weiß das selber. Meine Eltern sind auch gut ironisch gewesen und da weißt du, da hast du nie einen klaren Satz. Da weißt du nie genau, woran du bist. Ich kann mich da gut reinversetzen. eins meiner Kinder ist auch hochironisch schon immer. Der hat quasi schon immer Ironie verstanden, weit vor seiner Zeit.
Und das ist auch so, dass Kinder das eigentlich erst an einem bestimmten Alter verstehen können. Und der war wirklich schon in der ersten Klasse fließend in Ironie und ist jetzt vorpubertär und bedient sich den ganzen Tag an Ironie. Das ist genau sein Modus. Und dann muss man auch immer mal nachhaken. Wie meinst du es denn jetzt wirklich? Wie geht es dir jetzt damit? Was ist es, was du uns gerade nicht zeigen willst?
Peter (18:20)
Na ja, Ironie ist ja auch eine Art, zu behandeln oder auch Menschen zu behandeln, dass man nicht direkt ist, sondern man versteckt sich, man macht so einen kleinen Dreh rein, ein kleines Spiel und dann fühlt sich der andere vielleicht schlecht behandelt, weil er gerade nicht versteht, worum es geht oder auch denkt, dass man sich über ihn lustig macht.
Stephanie (18:31)
Ja. Man schafft so bisschen Abstand. Das ist eben nicht deutlich zu lesen so, und man kann es verschieden auslegen und wie wir vorhin gemerkt haben, Menschen neigen dazu, es als negativ auf sich selber zu beziehen. Wie die Nachbarschaft, die sich abgelehnt fühlt, von der Mona die eigentlich grüßt und Danke sagt.
Peter (19:04)
Was mir noch auffällt, Stefanie, du hast gesagt die goldene Regel und dann hast du sie zitiert, wie man sie im Deutschen als Sprichwort kennt. Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg‘ ich auch keinem anderen zu. in der Bibel steht es aber gerade andersrum. behandelt andere Menschen genauso, wie ihr selbst behandelt werden wollt. Also positiv. das ist ja interessant. Das eine ist, dass man vermeidet, was was man vielleicht selber nicht wollen würde. Und das Positive ist noch ein Schritt weiter. Und letztlich hat jetzt Maria, hat im Grunde diesen Schritt gegangen, hat sich gefragt, was würde ich denn wollen, wenn ich Mona wäre, allein mit dem Hund.
Stephanie (19:33)
Mhm. Mhm, find ich auch.
Mhm.
Peter (19:52)
Also die hat das mit der goldenen Regel hingekriegt finde ich.
Stephanie (19:55)
Du sagst ja, es ist eine Empathie-Regel, ne?
Peter (20:00)
Ja, glaube, dieses Hineinversetzen in den anderen, das ist der Kern. Und der Punkt ist, die Regel dass wir es tatsächlich auch machen. Wir können es immer. Aber im Eifer des Gefechts und des Alltags sind wir auf unserem Standpunkt und sehen die Welt nur aus unserer Perspektive oder ich aus meiner. naja, die goldene Regel sagt, nee, komm.
Peter (20:26)
auf die andere Seite und jetzt ergänze ich ein bisschen und frage nicht nur, was du nicht willst, sondern auch frag, was wäre dein Bedürfnis, was wäre gut für dich und das finde ich ganz toll.
Stephanie (20:37)
Ja, guck mal.
also ich finde diesen Satz auch großartig. finde den auch ganz dicht dran eigentlich an unserem höchsten Gebot, von dem wir schon gesprochen haben, liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich finde es aber ganz interessant eigentlich, dass es immer auf einen selber zurückbezogen ist. Also du sagst dir jetzt, die fordert eigentlich auf sich in den anderen hinein zu versetzen. Ich lese eher so dieses, wie möchtest du selber behandelt werden?
Was ist eigentlich dir wichtig im Umgang mit anderen Menschen, was ihr so miteinander pflegt? Und so handle auch. Also mach das zu deiner Maxime sozusagen. du sagst jetzt aber, versetz dich in den anderen hinein. Das ist das, was du daraus siehst. Finde ich total interessant, weil ich die Brücke kriege ich bis heute nicht.
Peter (21:32)
Du kannst das doch. Du überlegst dir doch, wenn du Streit bist mit jemandem. ⁓
Stephanie (21:35)
Ja, ich kann das. Empathie
kann ich super, aber ich weiß nicht, wie du von dem Satz drauf kommst, dass ich das machen soll. Da steht doch, wie ich selbst behandelt werden will. So soll ich die anderen behandeln, was ja im Zweifel sogar super arrogant sein könnte. Weißt du, weil ich so sage, das ist für mich gut, deswegen muss es auch für dich gut sein. Also es wäre dann quasi die Anti-Empathie-Regel, dass man nur für sich selber fühlt, was man selber gut fände. Jetzt ganz übertrieben, ne?
Peter (22:06)
wenn man anderen was schenken will, dann hilft es natürlich nicht, wenn man sich überlegt, was man selber gerne geschenkt bekäme und das dann den anderen schenkt.
Stephanie (22:17)
Ein Wink mit dem Zaunpfahl.
Peter (22:19)
sondern man muss einen Schritt weiter gehen und sagen, okay, was wünscht sich wahrscheinlich die andere Person?
Stephanie (22:25)
Ja, ich glaube, ich hab’s, Ich selbst möchte ja auch, dass der andere mit mir nicht einfach macht, was er will, sondern dass er Rücksicht nimmt auf mich und sich einfühlt
Peter (22:33)
Hm?
Stephanie (22:39)
Und dann ist es eine Empathie-Regel. Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass es Menschen generell so geht, dass sie gerne wollen, dass Menschen Rücksicht auf sie nehmen.
Ja, ja schön.
Sehr schön. Was ich ja auch heiß finde an deiner Geschichte ist, dass sie bei ihrer Nachbarin eine Postkarte einsteckt. Also sie geht nicht hin und klingelt, sondern sie sagt, na, ich will jetzt was von dieser Person, aber die will ja nicht so viel von uns. Also ich… ist immer noch so mit Sicherheitsabstand, ne? Würde ich sagen, auch eine sehr sympathische Handlung so, ne?
Peter (22:51)
du willst wahrscheinlich wissen, was jetzt weiter passiert ist,
Stephanie (23:19)
Ich will natürlich wissen, wie es ausgegangen ist
Peter (23:21)
Ja, ich finde erst mal den Punkt, den du betont hast, Im Grund hat sich Maria überlegt: wie kann ich die scheue Nachbarin ansprechen? Nicht durch eine Begegnung, wo sie im Grunde vielleicht gar nicht nein sagen kann. Also so ein ad hilfsbereiter Überfall, ich könnte ihnen helfen, das kann ja auch eben sehr unangenehm sein, sondern mit einer Postkarte. Und wahrscheinlich ahnst du es schon, das hat gefunkt.
Stephanie
Nein, wirklich. Das hätte ich nicht gedacht. Wirklich nicht. Ich dachte ehrlich gesagt, die Geschichte ist an der Stelle zu Ende.
Peter (23:51)
Also, Mona, hättest du nicht gedacht?
Also ich habe es ja erst rausbekommen, wie der Verlauf genau war. Jedenfalls war plötzlich Mittwochs und Freitags Bello bei Maria. Und Maria ist mit Bello spazieren gegangen. Und dann hat mir später Maria erzählt, dass Mona ganz und gar erleichtert war. Maria sagt, Mona hätte gesagt, sie schickt der Himmel. Ich wusste gar nicht mehr, was ich jetzt tun sollte.
Stephanie (24:32)
Ja, Wahnsinn.
Peter (24:33) Das ist auch für Maria und ihren Mann schön. Ein Teilzeithund und auch
Ja, lachst du, das ist eine feine Sache und auch natürlich nochmal das anwenden, was man gut kann, nämlich Hunde erziehen Also das ist eine ganz glückliche Geschichte geworden.
Stephanie (24:46)
Ja, es ist großartig.
die Mona aus meiner Sicht nur von der Geschichte. Ich glaube, das ist einfach ein wahnsinnig introvertierter Mensch und die wird es einfach schwer haben, aus sich rauszugehen und Menschen anzusprechen oder diesen Satz mehr zu sagen, weißt du, den du vermisst, wenn sie mal ein Paket bei dir abholt, das wird sie einfach nicht gewohnt sein
Und als Nachbarschaft liest man das als Aversion sozusagen. Ja, finde ich ganz interessant. Und guckt mal, und dann ist sie da so dankbar. Wahnsinn. Also was für eine schöne Geschichte.
Peter (25:32)
Die hat mir auch gut gefallen. vielleicht noch mal zur Frage, was muss da eigentlich passieren? Du hast ja auch gesagt, na ja, Mona ist vielleicht einfach sehr in sich gekehrt und die Nachbarschaft hat funktioniert. Also man muss sich nicht immer umarmen und sich ganz nah fühlen. Eher kommt es darauf an, dass an bestimmten Punkten das funktioniert. So empfinde ich das jedenfalls.
Stephanie (25:34)
Ja, und dann kann man mal sagen, dass es in eurer Nachbarschaft etwas gibt, das kann man sozialen Zusammenhalt nennen, so auf diesen verschiedenen Ebenen, die wir heute festgestellt haben, auch auf der Tratschkomponente, der Ebene Tratsch. Austausch, nennen wir es Austausch, man muss es nicht so negativ zeichnen. Und sozialer Zusammenhalt ist ein Thema, da können wir gleich in der nächsten Folge weiter drüber reden.
Denn Peter ist über eine Studie gestoßen, der aus der geht hervor, dass der soziale Zusammenhalt abnimmt in unserer Gesellschaft. Und das ist natürlich ein spannendes Thema für unseren Podcast. Aber da reden wir in der nächsten Folge drüber, Peter.
Peter (26:43)
Genau. Tschüss, Stephanie.
Stephanie (26:45)
Tschüss, Peter!
Links & Quellen
- Peter Bartmann, Nächstenliebe. Das biblische Gebot – eine Inspiration für heute, Freiburg: Herder-Verlag 2024. https://www.herder.de/theologie-pastoral/shop/p2/83595-naechstenliebe-gebundene-ausgabe/


