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NAHBAR. Nächstenliebe und Nachbarschaft. Folge 1

Bist Du ein guter Nachbar? Und Du eine gute Nachbarin? Das fragen sich Peter und Stephanie in Folge 1 ihres Podcasts. Und sprechen über eine alltägliche und doch außergewöhnliche Geschichte von guter Nachbarschaft – und Nächstenliebe.

Ein Ausschnitt aus dem Podcast-Cover: Es zeigt junge, alte Menschen, Frauen, Männer, Kinder, dicht zusammen

Zusammenfassung

In Folge 1 unseres Podcasts NAHBAR – Nächstenliebe und Nachbarschaft erkunden wir, was es bedeutet, ein guter Nachbar zu sein und wie Nächstenliebe im Alltag sichtbar wird. Beide Themen werden uns im Podcast immer wieder begegnen. Wir – das sind Stephanie Schwenkenbecher und Peter Bartmann. Auslöser für den Podcast ist ein Buch, das Peter geschrieben und Stephanie als Lektorin bearbeitet hat.

Gliederung

  • 00:00 Warum wir diesen Podcast machen – und wie?
  • 05:24 Nachbarschaft auf dem Dorf – und in der Großstadt
  • 10:00 Geschriebene und ungeschriebene Gesetze in der Nachbarschaft
  • 12:40 In einer Nacht stand der Rettungswagen vor der Tür…
  • 20:10 Was heißt Nächstenliebe?
  • 27:27 Ein Happy End für zwei alte Menschen

…im Notfall helfen und wenn es nötig ist, auch über eine Grenze gehen. Über Sprachlosigkeit oder Fremdheit…

Peter Bartmann

Peter Bartmann lebt in Berlin. Dort hat er lange in der Diakonie gearbeitet. Da geht es praktisch um gute Nachbarschaft und Nächstenliebe. Er fragt sich: Was sind unsere Gründe und Motive, an einer guten Nachbarschaft zu bauen? Wieviel Nähe, wieviel Distanz sind notwendig? Wie kommen wir mit Menschen in unserer Nähe klar, die uns fremd sind?

Website: https//peterbartmann.de

„Für mich ist die Nachbarschaft der Testfall für die Nächstenliebe“

Stephanie Schwenkenbecher

Stephanie Schwenkenbecher lebt in einem Dorf in der Nähe von Greifswald. Sie arbeitet als freie Lektorin mit Menschen, die schreiben und sprechen. Sie interessiert sich für die Geschichten, die Menschen bewegen – und die sie erzählen. Für die evangelische Kirche in Norddeutschland bildet sie Lektoren und Lektorinnen aus und arbeitet im Pop-Institut mit.

Transkript der Folge

Peter (00:01)
Herzlich willkommen zu NAHBAR, dem Podcast über Nächstenliebe und Nachbarschaft. Schön, dass du heute dabei bist. Wir freuen uns sehr, dass du eingeschaltet hast.

Stephanie (00:10)
Hallo auch von mir. Wir sind Peter und Stefanie und wir wollen dich mitnehmen auf eine Reise durch die großen und kleinen Fragen des Zusammenlebens. Deswegen heißt unser Podcast NABAR, weil wir glauben, dass wir uns eigentlich alle nach Nähe sehen und Nachbarschaft etwas wichtiges ist für unser aller Leben. Entsprechend haben wir auch Lust mit dir ins Gespräch darüber zu kommen.

Peter (00:36)
Vielleicht denkst du jetzt Nächstenliebe, Nachbarschaft, das klingt ein bisschen altmodisch. Aber für mich ist das Thema aktueller denn je. Gerade in einer Zeit, in der viele Leute das Gefühl haben, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. Da wollen wir fragen, wie können wir einander begegnen? Wie können wir Brücken bauen, auch wenn wir unterschiedlich sind?

Stephanie (00:59)
Genau. Und wir wollen über große gesellschaftliche Themen sprechen, weil wir glauben, dass die alle damit zusammenhängen. Also nicht nur abstrakt, sondern anhand unserer kleinen Dinge, die uns im Alltag begegnen. Über das, was uns im Bus, am Gartenzaun, im Supermarkt oder auf dem Sportplatz begegnet. Denn oft sind es die kleinen Begegnungen des Alltags, die unsere Haltung prägen.

Peter (01:22)
Wir laden dich ein, uns nachzudenken, zu diskutieren und neue Perspektiven zu entdecken. Alle zwei Wochen gibt es eine neue Folge überall, wo es Podcasts gibt. Und wir freuen uns, wenn du uns abonnierst und mit uns ins Gespräch kommst.

Stephanie (01:40)
Jetzt verraten wir euch auch noch, wer wir sind. Ich bin Stephanie Schwenkenbecher. Ich habe mal Theologie studiert und arbeite als Lektorin. Dabei habe ich viele Bücher begleitet, bevor sie veröffentlicht wurden, viele Texte gelesen von anderen Autoren. Manchmal schreibe ich auch selber. Ich bin neugierig auf die Geschichten und Erfahrungen anderer Menschen.

Peter (02:02)
Und ich bin Peter, lebe in Berlin, habe Philosophie und Theologie studiert und lange bei der Diakonie gearbeitet. Da geht es ganz praktisch Nächstenliebe und Nachbarschaft und die Frage, wie wir es, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen.

Stephanie (02:19)
Wir haben uns übrigens bei der Arbeit an einem Buch kennengelernt. Peter hat nämlich ein Buch geschrieben über Nächstenliebe und hat mich gebeten, dieses Buch zu lektorieren, bevor es dann veröffentlicht wird in seinem Verlag. Und dabei sind wir auch gelegentlich ins Gespräch und in die Diskussion gekommen und fanden, dass das ein wahnsinnig aktuelles Thema ist und wir gerne noch weiter übers Zusammenleben nachdenken würden. Und daraus ist die Idee für diesen Podcast entstanden.

Peter (02:48)
Das Buch ist im Herder Verlag erschienen und du findest in den Show Notes einen Hinweis, wie du es erfinden kannst. Aber hier geht es ja ums Hören und Sprechen und alle 14 Tage lassen wir am Donnerstag von uns hören. Wir sprechen über Nachbarschaften, über Nähe und Distanz, über Nachbarschaftshilfe und Streit unter Nachbarn. Wir teilen unsere Erfahrungen und Gedanken mit euch und freuen uns, wenn ihr reagiert, kommentiert, Ideen einbringt.

Das geht ganz einfach per E-Mail an die Adresse podcast.etnaba.net. Podcast.etnaba.net. Und wir sind sehr gespannt auf eure Sicht der Dinge.

Stephanie (03:29)
Unser anderes Thema ist, wie schon gesagt, die Nächstenliebe. Wir sind Beides Theologen und uns interessiert, was dazu in der Bibel steht und wollen mit euch da auch eine kleine Zeitreise machen in dieses inzwischen ja sehr alte, aber eben auch sehr prägende Wort. Wir hören uns an, was Menschen heute dazu sagen und denken.

Und wir schauen uns an, was Menschen tun, damit Zusammenleben gelingt. Wir sind eben wie gesagt beide in der christlichen Tradition verwurzelt, interessieren uns aber auch sehr für andere Traditionen. ihr werdet dann auch mal hören, wir sind nicht immer einer Meinung, wenn es Nächstenliebe geht. Genau das finden wir auch spannend.

Peter (04:15)
Wie können wir am besten zusammenleben? Das fragen wir uns. Wer ist wir? Wer gehört dazu? Wo endet unsere Bereitschaft, auf andere zuzugehen? Und was heißt überhaupt Liebe deinen Nächsten wie dich selbst? Geht das? Und was heißt es praktisch? Wir fragen uns und suchen Antworten. Die saugen wir uns nicht aus den Fingern, sondern lesen und recherchieren und führen Interviews. Zu jeder Folge gibt es Show Notes, wo ihr nachlesen könnt, aus welchen Quellen wir schöpfen.

Im Gespräch selbst zitieren wir nicht ständig, wir gelesen haben. Aber ihr könnt nachsehen, nachlesen und euch selbst ein Bild machen.

Stephanie (04:54)
Bevor wir jetzt in das Thema Nachbarschaft einsteigen, hört ihr Töne. Und zwar hat sie uns Jan Simovic eingespielt. Das ist Pianist und Songwriter. Diese Töne werden uns begleiten auf unserer Reise mit Narber, Nächstenliebe und Nachbarschaft.

Sag mal Peter, bist du eigentlich ein guter Nachbar?

Peter (05:28)
Naja, ich denke schon. Ich nehme zum Beispiel Pakete für meine Nachbarn an oder verleihe mein Werkzeug. Ich habe eine ganz lange Leiter, die sich die Nachbarn immer bei mir ausleihen.

Stephanie (05:39)
das heißt die Nachbarn wissen schon, dass du eine lange Leiter hast?

Peter (05:43)
Ganz klar.

Stephanie (05:45)
Dann lass uns doch mal drüber reden, was es überhaupt bedeutet, ein guter Nachbar zu sein. Was bedeutet gute Nachbarschaft?

Peter (05:52)
Bist du denn eine gute Nachbarin, Stefanie? Und was bedeutet das für dich?

Stephanie (05:57)
Ja, bin ich eine gute Nachbarin? Das ist eine Frage. Vielleicht müsste man da eigentlich meine Nachbarn fragen und nicht mich. Also ich finde, wir haben eine gute Nachbarschaft bei uns im Haus. Ich wohne mit meiner Familie auf dem Dorf in der Nähe von Greifswald, also ganz an der Ostseeküste könnt ihr euch das vorstellen. Und bei uns im Haus leben noch zwei andere Parteien. Und ja, also ich finde so das, was so das

Nachbarliche angeht, das machen wir gut zusammen. Wir grüßen uns, wenn wir uns sehen und unterhalten uns auch mal kurz, wie es uns geht und lassen uns weiträumig in Ruhe. Das finde ich doch tatsächlich mit einem sehr wichtigen Faktor, dass wir das gut können. Wir hängen uns nicht in die Sachen der anderen rein. da gibt es bei uns im Haus gibt es eine Hausordnung, wo sich jeder irgendwie drum kümmert. Das klappt im Durchschnitt total gut, finde ich.

Und das Gute daran finde ich, dass das niemand total eng sieht. Also wenn es mal einer nicht macht, dann macht es halt nächste Woche ein anderer. Und man geht dann nicht jedes Mal dem anderen hinterher mit dem Zettel und wo wir unsere Namen eintragen und sagt dann hier, du musst aber noch und vorher mache ich nicht, sondern es gibt eine große Weite. Und ich würde immer sagen, im Durchschnitt ist es bei uns sauber. Und das finde ich das völlig Ausreichende, dass es allen gut geht.

und die das so machen, wie es gut ist für sie. Ja, also wir haben so eine Balance aus Nähe und Distanz und es gibt nicht so ein großes Zu-viel. Ich habe auch manchmal schon versucht unsere Nachbarinnen zum Feiern einzuladen. Also wenn wir Freunde hatten, bei uns vor dem Haus gibt es eine riesige Wiese, da kann man total schön sitzen und feiern. Und das hat aber noch nicht geklappt, dass sie da mal dazu gekommen sind. Da hatten sie doch, hatte ich das Gefühl, ein größeres Ruhebedürfnis.

als sich da jetzt auch noch von unserem Freundeskreis behelligen zu lassen. Aber dafür gibt es dann immer mal so Gelegenheiten, wo wir so auf der Treppe vorm Haus zusammensitzen und in den Nachmittag hineinschnacken und das wird auch manchmal richtig lang. Also das finde ich total schön, dass das so beides möglich ist, sich mal nett und auch intensiv auszutauschen, aber das nicht zu müssen. Ja, ist schön.

Peter (08:26)
Ich habe das Wort Hausordnung gehört, Stefanie. Die gibt es bei Euch?

Stephanie (08:32)
Also ich bin eben nicht so ganz sicher. sind mehr so ungeschriebene Gesetze. Und eins davon ist, dass wir Rasen mähen. Und eins davon ist, dass wir den Flur bei uns wischen. Und auch in irgendeiner Weise die ganzen Fußabträter, die da sind, mal vom Dreck befreien. Ich bin gar nicht sicher, ob das eigentlich zum Mietvertrag dazu gehörte. Aber es hängt jedenfalls ein Zettel aus, da muss man sich dann eintragen.

dass man das gemacht hat. Und der ist eben, wie gesagt, der bleibt auch lückenhaft, aber bis jetzt sind alle damit entspannt. Ja, und dann gibt es aber eben so Sachen, wo es auch schön ist, wenn man sich da auch drum kümmert, was dann gar nicht im Programm steht sozusagen, also dass man bei uns den Weg zum Beispiel mal fegt oder die Treppe vor dem Haus.

oder das Laub mal zur Seite macht. Das sind so Sachen, sind gar nicht geregelt. Dafür finde ich es schön, dass wir so entspannt sind, weil man dann eben auch sagen kann, naja, dann kümmere ich mich halt mal darum. Jemand bringt die Mülltonnen immer raus. Ich vergesse das immer. Ich immer gar nicht so richtig, die Termine eigentlich sind, aber jemand fährt sie raus und dafür schaffen wir es dann aber oft, wenn sie leer sind, wieder zurück zu rollen. Also auch das ist eigentlich sehr…

finde das sehr entspannt, total schön. Und bei euch?

Peter (09:59)
Mir ist jetzt zuerst eingefallen, meine Zeit in Stuttgart. Und da gibt es ja die legendäre Kehrwoche. Und da muss man sich zwar nicht eintragen, aber es ist so, dass wenn du dran bist, vor deiner Wohnungstür ein Schild hängt, da drauf steht kleine Kehrwoche. Die Reihe ist an ihn.

Stephanie (10:07)
Okay.

Mhm.

Peter (10:23)
Da wissen dann alle, du bist dran. Und es gibt natürlich auch die große Kehrwoche, da muss man dann die Straße auch fägen. Jetzt wohne ich in Berlin und da guckt überhaupt niemand danach. Ich finde saubere Straßen haben etwas für sich.

Stephanie (10:38)
Hahaha,

ja.

Peter (10:42)
Und liebe Hörerinnen und Hörer, habt das ja sicher mitbekommen, in Berlin ist es sehr lässig und oft auch sehr schmutzig und da meckert man drüber. Aber schicker ist, wenn man tatsächlich auch anpackt und das in seiner Nachbarschaft tatsächlich auch regelt.

Stephanie (10:58)
Es ist ja wirklich interessant, wie berühmt Berlin inzwischen dafür ist, dass es so dreckig ist, wo man sich auch fragt. Ich meine, es gibt ja auch so Straßenkehrdienste und so. Also es muss ja gar nicht mehr unbedingt sein, dass es an der Hausordnung hängt. Aber das doch interessant, oder? Wie kommt man denn zu so einem Ruf als Hauptstadt?

Peter (11:18)
Naja, ich glaube so die Lässigkeit, die gehört irgendwie zu Berlin. Nichts so richtig vereinbaren, alles mal laufen lassen. Und ich könnte mir vorstellen, dass das sich irgendwann auch mal ändert. Man sagt, nee, wir wollen es eigentlich anders. Wir wollen es auch auf den Bürger steigen und in den Parks wollen wir es schöner haben. Kann ich mir gut vorstellen.

Stephanie (11:44)
Ja und die Münchner lachen sich kaputt über euch, ganz ehrlich.

Peter (11:48)
Das schmerzt uns jetzt nicht so schrecklich.

Stephanie (11:51)
Dafür sind wir Hauptstadt. Du bist aber gar nicht in einem Mietshaus, ne?

Peter (11:59)
Ich wohne in einer ganz dicht gepackten Siedlung, wo es ganz viele kleine schmale Reihenhäuschen gibt und drum herum auch vierstöckige Häuser mit Mietwohnungen. Alles dicht auf dicht. Und ich glaube, viele würden sagen, dass wir eine nette Nachbarschaft haben. Aber jeder ist auch sehr für sich.

Stephanie (12:11)
Mhm.

Mhm.

Peter (12:20)
Gerade wenn man so nah beieinander wohnt, braucht man ja auch etwas Abstand von den Nachbarn.

Aber meine Frage ist natürlich, achtet man in der Nachbarschaft auch aufeinander? Bekommt man mit, wenn es jemandem nicht gut geht? Oder hilft man, wenn es nötig ist? Wie ist das bei euch?

Stephanie (12:40)
Also ich habe das noch nicht so ausgetestet. Jetzt bei uns im Haus würde ich da würde ich davon ausgehen, dass mir die Leute auch helfen würden und im Zweifel auch mal die Tür aufmachen. Ich habe manchmal bisschen das Thema, was mache ich, wenn meine Kinder alleine zu Hause sind?

Und das gerade nicht anders organisierbar ist. Die kommen jetzt langsam aus dem Alter raus, wo man sich da groß Gedanken machen muss. Aber bei meinem Kleinen ist es schon noch so, dass ich denke, der Szenen… Und da hätte ich das gerne übersichtlich und fände ich das schön, wenn er weiß, wo kann er sich hinwenden. Und da habe ich jetzt tatsächlich mal… Weil ich wusste, okay, im Haus ist gerade niemand da in der Zeit, wo wir weg sind. Und da gibt es weiter weg eine Nachbarin.

Die kennen wir, da hatten wir auch mal eine Fahrgemeinschaft. Mit der hatte ich bestimmt ein Jahr nicht zu tun. Aber ich habe dann eben auch zu meinem Kind gesagt, guck mal hier, da drüben gegenüber, weißt du ja, da wohnt die Annemone. Wenn was ist, kannst du da drüber gehen. Da ist jemand da und die ist da bestimmt bereit dazu. Und dann war es tatsächlich so, dass wir uns zwei Monate später dann auch mal wieder getroffen haben live, Annemone und ich.

Und da dachte ich, Mensch, das erzähle ich ihr mal nochmal. Das ist ja schon irgendwie bisschen lustig, dass ich sie da vereinnahme, ohne mit ihr drüber zu sprechen. Und die sagte aber, na klar, das ist doch völlig in Ordnung. Die Kinder kennen sie und sie kennt die Kinder und natürlich würde sie sich kümmern, wenn da was ist. Und sie würde das ganz genauso machen mit ihren Kindern auch. Und das fand ich irgendwie schön, weil ich so dachte, ja so.

Und selbst die Nachbarn jetzt am Hof gegenüber, da ist so eine riesige Hofanlage mit so alten Rehtachhäusern, wunderschön. Wir hatten jetzt persönlich noch gar nicht miteinander zu tun, grüßen uns aber sehr eifrig. Und auch da hätte ich den Verdacht, dass die immer sagen würden, na melde dich doch. Er ist eher zum Beispiel Elektriker und sagt, da kannst du doch einfach Bescheid sagen, wenn du was brauchst oder wir mal was machen müssen.

Das finde ich jetzt gar nicht so selbstverständlich, weil wir ja persönlich noch gar nicht miteinander zu tun hatten. Aber man grüßt sich und signalisiert sich, wir sehen dich und sind dir wohlgesonnen und irgendwie gehört das dann anscheinend mit zum Paket.

Peter (15:13)
Ich glaube so ganz anders ist das auch in der Großstadt nicht, jedenfalls hier bei uns.

Stephanie (15:17)
Ja.

Peter (15:20)
Leute nicht in so engem Kontakt miteinander sind und sich auch nicht immer grüßen. ist in der Stadt gar nicht so, nicht so, glaube ich. Und neulich ist was passiert, dass so den Rahmen sprengt von dem, was ich erwartet hätte. Und zwar auf der anderen Straßenseite, da wohnen eine Reihe von älteren Menschen schon ganz lange.

Stephanie (15:28)
Macht man da nicht so, ne?

Ja?

Ja.

Peter (15:49)
und die sind trotzdem sehr auf Distanz und grüßen sich auch nicht so sehr. Und es gibt auch Geschichten, warum, was in der Vergangenheit mal war. Es war nicht immer nur herzlich. Und direkt gegenüber von mir wohnen ein alter Herr und eine alte Dame Tür an Tür, ganz dicht. Die haben aber eigentlich nie miteinander geredet, sind sich aus dem Weg gegangen.

Stephanie (15:57)
Ja.

Mh.

Mhm.

Peter (16:17)
Aber in einer Nacht neulich stand der Rettungswagen vor der einen Haustür und dem älteren Mann ging es offenbar nicht gut. Und da steht auf einmal seine Nachbarin mitten in der Nacht neben ihm auf der Straße neben dem Rettungswagen, bringt ihm seine Sachen und dann sehe ich, wie sie später in seinem Häuschen die Lichter ausmacht und abschließt.

Stephanie (16:24)
Mhm.

Nee.

Guck mal an.

Peter (16:46)
Ja, ich finde das auch eine tolle Sache. Die haben gar nicht miteinander gesprochen und dann in der Not war es plötzlich möglich, dass die Nachbarin da war. Ich bin auch aufgewacht und habe rausgeguckt und habe sie da gesehen. Und der alte Herr hat ihr einfach seinen Wohnungsschlüssel gegeben und sie hat ihn genommen und sich seine Wohnung gekümmert.

Stephanie (16:55)
Aha.

Mhm.

Aber das kann ich mir auch vorstellen, dass es dann manchmal so einen Anlass braucht, wo man sich dann wieder begegnet und in so einem Moment, wo man dann da sieht, der ist jetzt alleine und es ist niemand da, der sich jetzt hier kümmern kann, dass man dann auch sofort überlegt, wie wäre denn das bei mir? Und weil es so, es wäre total schön, wenn dann jemand kommen würde und sich kümmert und man dann sofort in diese Rolle reingeht und sagt…

Natürlich kümmere ich mich so, ich bin sozusagen die Nächste in dem Moment, die dann dran ist. Also das könnte ich mir auch richtig vorstellen, dass sie da so so ein innerliches Selbstverständlichkeit hatte, da zu übernehmen.

Wobei ich finde, das geht eigentlich über Nachbarschaft hinaus für mich. Das habe ich ja gerade schon in der Formulierung so bisschen angedeutet, dass sie da die nächste ist. Für mich ist das so ein Fall von Nächstenliebe. Also wo man auch vielleicht in so einem Affekt reagiert, aber so mit dem ganzen Wesen und

Ja, sich dann in die Situation rein zu begeben und zu engagieren mitten in der Nacht, weil man eben spürt, dass der andere einen braucht und man selbst in dem Fall der nächste ist, der da gefragt ist. Die nächste. Spannend, spannender Moment hier. Sehr spannend für unseren Podcast.

Peter (18:41)
Ja, Stephanie, hast gleich zwei Punkte angesprochen, auf die wir noch in unserem Podcast eingehen. Einmal die Überlegung, wie wäre das denn bei mir? Wer würde mir helfen? Und dann auch eben diesen Punkt, dass man plötzlich in der Nähe ganz unmittelbar sagt, jetzt muss ich was tun, da muss ich hin. Da bin ich aufgestanden und stehe auf der Straße.

Stephanie (19:04)
Mmh.

Peter (19:06)
Ich weiß nicht, ob die Nachbarin von gegenüber dieses Wort verwenden würde, Nächstenliebe. Sie ist, glaube ich, nicht kirchlich eine typische Berlinerin der Nachkriegszeit, jetzt in den 80ern. Rau, aber wie wir jetzt wissen, das Herz auf dem rechten Fleck.

Stephanie (19:10)
Mhh, ja.

Mmh!

Peter (19:25)
Ich würde es trotzdem Nächstenliebe nennen. Und am meisten beeindruckt mich, dass man mit seinen Nachbarn gar nicht befreundet sein muss, ihnen in einer Krise zu helfen. Das ist doch toll.

Stephanie (19:36)
Ja, und bei den beiden ja gerade im Gegenteil,

Ja, also Nächstenliebe, ich meine, ja, das ist mir schon bewusst so, dass ich das jetzt so nennen würde mit meinem christlichen Hintergrund, weil das bei uns ja einfach auch sehr, das ist ja im Grunde ein Schlagwort, was uns ausmacht als Christinnen und Christen mit das höchste Gebot und was für uns gilt, was ja auch mit der Grund ist, weshalb wir das hier der Nachbarschaft gegenüberstellen, die Nächstenliebe.

Aber es ist ein großes Wort und da weiß ich eben auch nicht. einmal kann es sein, dass es inzwischen aus der Mode gekommen ist mit dem ganzen Christentum, wie das ganze Christentum eben gerade aus der Mode kommt, dass dann eben auch dieser Begriff aus der Mode kommt. der Begriff vielleicht, aber bei der Sache glaube ich eigentlich

dass das tief verwurzelt ist und auch bleibt. Und dann frage ich mich, was ja so ein gegenteiliges Phänomen ist, was wir manchmal religionssoziologisch beobachten, dass so, wenn die Dinge so auf dem Rückzug sind und aus der Mode sind, dass dann auch wieder neu ein Interesse entsteht daran. Und da weiß ich nicht, wo die nächste Liebe gerade steht in dieser Entwicklung. Also ist sie gerade sehr out oder?

Reiten wir hier gerade die Welle voran, wo die Nächstenliebe gerade schwer in Mode kommen. Das kann ich mir sehr gut vorstellen.

Peter (21:13)
Das würde ich mir natürlich wünschen.

Stephanie (21:15)
Hahaha!

Peter (21:18)
Und wenn ich mich trauen würde, könnte ich aber der Nachbarin mal fragen, ob sie das als Nächstenliebe bezeichnen würde. Ich bin mir nicht sicher. Sie ist eine echte Berlinerin. weiß nicht, ob ich mich traue, sie das zu fragen, denn wir haben auch eigentlich nicht so viel miteinander zu tun. Grüßen tun wir uns.

Stephanie (21:34)
Ja.

Ja, das wäre vielleicht auch ein großes Wort für eine Situation, die für sie sehr selbstverständlich war.

Peter (21:45)
Und wie du sagst, eigentlich kommt es auf den Begriff nicht immer an, sondern auf das, dahinter steht, die Haltung. Und das wäre doch wunderbar, wenn diese Haltung einfach da wäre und wir auf sie bauen können.

Stephanie (21:57)
Was meinst du, wenn du sagst, dass da eine Haltung dahinter steht?

Peter (22:05)
Für mich ist das Wichtigste im Notfall helfen und wenn es nötig ist, dann auch über eine Grenze gehen. Über Sprachlosigkeit oder Fremdheit oder dass man sich eigentlich nicht so gut versteht.

Stephanie (22:19)
Also das meint quasi, auch wenn man jetzt nicht in so einer ganz großen Nähe lebt, vielleicht in so einer Halbdistanz, dass man sich zugänglich hält für den anderen. Wenn man jetzt bei unserem Podcastnamen ist, nahbar bleibt, ohne jetzt immer die Tür offen zu haben sozusagen. Ja spannend.

Peter (22:44)
Ja, das finde ich schön. Nahbar, das heißt eben für mich auch zugänglich, unkompliziert, ansprechbar und das verbinde ich mit Nächstenliebe.

Stephanie (22:53)
Und es ist nicht an die Bedingungen geknüpft, jetzt bei euch noch nicht mal an die Bedingungen geknüpft, dass man sich grüßt oder regelmäßig Smalltalk führt, sondern einfach in der Grundhaltung meinem Menschen mir gegenüber.

Peter (23:12)
und auch über Konflikte hinweggehen. Also wenn Streit war, sich eben doch zu helfen. Oder wenn man sich eigentlich nichts zu sagen hat, dann doch da zu sein.

Stephanie (23:22)
weil es im Grunde menschliches ist, einander nahbar zu sein und zu bleiben und es nicht an Bedingungen geknüpft ist. das ist aber was sehr evangelisches. Man muss sich nicht unbedingt gut verstehen und in der Not wäre ich für den anderen da. Ich lasse dich stehen, wie du bist und du könntest auf mich zählen.

Peter (23:32)
Mhm.

Stephanie (23:50)
Das würde heißen für mich, wenn wir das so sagen, dass Nachbarschaft ja eigentlich der große Testfall ist für die Nächstenliebe. Nächstenliebe ist einfach, wenn wir sowieso befreundet sind und uns nahe sind und regelmäßig Zeit miteinander verbringen. Dann tun wir einander gut. Aber in der Nachbarschaft nebeneinander zu stehen und sich auszuhalten in größerer Nähe oder Distanz

und nahbar zu bleiben für den Ernstfall. Das finde ich die Herausforderung. Und gleichzeitig glaube ich, dass es Menschen total daran gelegen ist, weil wir alle darauf angewiesen sind am Ende, dass das eben so funktioniert.

Peter (24:44)
Insofern ist Nachbarschaft der Testfall für nächste Liebe.

Stephanie (24:49)
Ja, da suche ich mir eben nicht aus, wer da auf der anderen Seite wohnt und hinter der Tür vorkommt und bei wem ich nach den Eiern frage, sondern das sind die Menschen, die eben zufällig in meiner Umgebung gelandet sind und wie die drauf sind, sind die drauf. Mein Nachbar hat immer sehr stark, der ist vor kurzem ausgezogen, der letzte Nachbar unten, der hat immer sehr das Bedürfnis, den Rasen sehr kurz zu halten.

Dabei hat er sich an unseren Vermietern orientiert. wohnen gleich auf einem Nachbarkgrundstück, sodass man das immer gut verfolgen kann, dass sie auch gerne ihren Rasen sehr kurz haben. Ich selber weiß, unser Rasen ist eigentlich kein Rasen, sondern eine Wiese, eine Magerwiese. Wenn man die länger stehen lässt, kann die eine unfassbare Blütenkraft entwickeln und eine tolle Insektenweide sein.

Das heißt, Mal, wenn ich meinen Nachbarn da unten mit dem Rasenmäher abzuckeln sehe, blutete mir das Herz, weil ich wusste, was er damit eben auch alles wegsäbelt. Und gleichzeitig muss er aushalten, dass wir vorne dann ums Haus rum eben nicht so oft gemäht haben wie er. Und es müssen auch unsere Vermieter aushalten. Wir haben uns gerade nochmal drüber ausgetauscht, dass wir das tatsächlich so handhaben. Und da bin ich auch wirklich froh.

dass sie sich darauf einlassen, gleichzeitig kann ich mich da gut reinversetzen, wie schwer das für sie auszuhalten ist, weil es andersrum für mich auch schwer auszuhalten ist.

Peter (26:20)
Ja, das ist ein gutes Stichwort. Aushalten, sich leben lassen, sich respektieren.

Stephanie (26:26)
Ja, so,

dass man tatsächlich den Respekt voreinander bewahrt. Ich meine, da ist auch ein Wut und ein Schmerz und so ein, müssen die schon wieder den Rasen mähen. Und dann aber wieder den anderen wahrzunehmen und zu sagen, ja, ist ein anderes Bedürfnis und ein anderes Sein, das sind andere Werte. Das kann ich nicht ändern, aber ich kann hoffen, dass wir einander stehen lassen können und respektieren in dieser Verschiedenheit.

Peter (26:56)
Ja, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, da habt ihr sicher auch viel beizutragen, denn das ist ja wirklich ein Thema, was jeden etwas angeht. wie gesagt, wir freuen uns, wenn ihr was einbringt in diesen Podcast über die E-Mail-Adresse podcast.naba.net.

Stephanie (27:09)
Mhm.

Ja, sag mal, Peter, gibt es denn noch ein Happy End für deine Geschichte? Wie ist die weitergegangen? Dann der Nachbar ist doch bestimmt, ist er aus dem Krankenhaus zurückgekommen?

Peter (27:27)
Ja, der alte Mann ist aus dem Krankenhaus zurückgekommen und dem geht es auch wieder ganz passabel.

Stephanie (27:32)
Schön! Und? Sprechen Sie miteinander?

Peter (27:37)
Da bin ich mal gespannt, was würdest du raten? Reden sie miteinander oder weiterhin nicht?

Stephanie (27:43)
Tja, ist… Gehen sie auf den… Nee, ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie auf den Status Quo von davor zurückgehen. Ich denke, dass sie inzwischen, sag ich mal, beim Müll rausbringen, einen kurzen Schnack halten draußen. Und?

Peter (27:58)
Genau so ist es auch. Sie sprechen

miteinander auf vorsichtiger Distanz. Zum Beispiel, wenn sie ihre Blumentöpfe vor der Haustür gießen und sich dabei zufällig treffen. Und ich habe sie auch schon abends einfach vor der Haustür zusammen stehen sehen. Ich glaube nicht, dass sie sich jetzt wechselseitig einladen, aber sie reden miteinander.

Stephanie (28:07)
Ja.

Ja?

Es

gibt noch kein Tee-Kränzchen und gibt keine Romanze.

Peter (28:28)
Aber das muss ja auch nicht sein. Es ist ja auch schön zu wissen, man hat Nachbarn, auf die man sich verlassen kann, ohne dass man sich nun ganz doll umeinander bemüht.

Stephanie (28:39)
Ja, also damit wäre geklärt, wir sind hier nicht in Hollywood. Wir sind hier beim Podcast Nächstenliebe und Nachbarschaft. Na, aber wir freuen uns sehr, wenn wir uns in 14 Tagen wieder hören. Da werden wir die nächste Folge online stellen.

Peter (28:59)
Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann abonniert unseren Podcast, der überall zu finden ist, wo es Podcasts gibt.

Stephanie (29:07)
Bis dahin, macht es gut!

Peter (29:10)
Tschüss.

Links & Quellen